Zahlreich sind mittlerweile die Versuche, drei aus ökologischer Sicht bestehende Mängel des volkswirtschaftlichen Rechnungswesens zu beheben: Erstens führt die Beseitigung von negativen ökologischen Folgen des Wirtschaftens und des Wirtschaftswachstums in der gesamtwirtschaftlichen "Buchhaltung" paradoxerweise zu weiterem Wirtschaftswachstum. Zweitens beschränkt sich diese Buchhaltung auf marktmäßige Transaktionen. Gibt es - wie bei zahlreichen Umweltgütern - keine Marktpreise, wird bei der Bewertung von wirtschaftlichen Aktivitäten die Benutzung des Umweltkapitalstocks oder das Verursachen von externen Kosten nicht berücksichtigt. so daß die Kosten der Produktion zu niedrig ausgewiesen werden. Und drittens betrachtet das herkömmliche volkswirtschaftliche Rechnungswesen Bestandsgrößen nur am Rande, die aber gerade für die Umweltpolitik von großer Bedeutung sind: Der Verbrauch von natürlichem Kapital ist vielfach (fast) irreversibel und - im Gegensatz zu herkömmlichen Kapitalgütern - nicht immer durch andere Güter ersetzbar. Vor diesem Hintergrund entstanden in den letzten Jahren Ansätze von integrierten Umweltberichterstattungen, über die der Autor einen prägnanten Überblick bietet. Anschaulich wird gezeigt, wie sowohl unter den Ansätzen mit vorwiegend ökologischer als auch unter denen mit vorwiegend ökonomischer Perspektive jene an Bedeutung gewinnen, die das bestehende volkswirtschaftliche "mit einem "ökologischen" Rechnungswesen ergänzen und verknüpfen. Jedoch kann keiner der beschriebenen Ansätze "den wesentlichen Merkmalen einer integrierten ökonomisch-ökologischen Perspektive ... gerecht werden" (S. 87). Diesen Anspruch sieht der Autor für das von ihm (mit-)entwickelte und für die Nordwestschweiz bereits empirisch umgesetzte Konzept eines “eco-lnformation-Systems" (EIS) als weitgehend erfüllt an. Die Grundlage hierfür bilden vier sogenannte "Öko-Würfel" mit den drei Dimensionen "Akteur", "Aktivität" und "Folge". Damit werden Wirtschafts- und Umweltdaten erfaßt, und zwar sowohl ökonomische und ökologische Bestände als auch Vorgänge. Die empirische Umsetzung des Konzepts stößt angesichts der dürftigen Datenbasis im Umweltbereich an Grenzen, auch stellt sich wie in allen ähnlichen Konzepten die bislang nicht ausreichend beantwortbare Frage nach der Gewichtung der einzelnen Umweltindikatoren. Das kann man aber dem vorliegenden Buch nicht anlasten, das beim Rezensenten auf großes Interesse gestoßen ist. W. Sch.

Vaterlaus, Stephan: Der relative Wohlstand. Eine integrierte ökonomisch-ökologische Umweltberichterstattung als Ergänzung zur Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Chur (u.a.): Verl. Rüegger, 1996. 278 S.