Nicht weniger als 800.000 Österreicherinnen benützen sie, und noch ist eine Ende des Handybooms nicht in Sicht. Im lukrativen Wettbewerb wird das Ringen der Anbieter härter, das Netz der Senderfrequenzen dichter, aber auch die Stimme der Menschen immer vernehmlicher, die vor allem Gesundheitsrisiken dieser neuen Technologie ins Treffen führen und der ”Generalmobilmachung in Sachen Telefonieren" in die Parade fahren wollen (in Österreich sind derzeit 30 Bürgerinitiativen registriert) Um jenseits emotionaler Befindlichkeiten in diesem sensiblen Bereich argumentieren und ggf. politischen Handlungsbedarf festmachen zu können, hat die Stadt Salzburg im Sommer dieses Jahres die Robert-Jungk-Bibliothek beauftragt, den aktuellen Forschungsstand in Form einer kommentierten Literaturübersicht zu erheben. Hans Holzinger ist dieser Aufgabe nachgekommen und konnte unter Einbeziehung neuester Befunde eine Studie erstellen, die das breite Spektrum der wissenschaftlichen Debatte ebenso umfassend wie allgemein verständlich dokumentiert und darüber hinaus nachweist, daß in wesentlichen Bereichen weitere Untersuchungen unerläßlich sind. Eingangs werden Entwicklung, technische Grundlagen und die derzeit gültigen Grenzwertfestlegungen (nach SAR) im Bereich Mobilfunk dargestellt. Im Anschluß daran wird auf Forschungsübersichten offizieller Stellen wie der WHO und der „Internationalen Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierenden Strahlen" (lCNIPR)eingegangen, wobei ausführlich v. a. auf Arbeiten des australischen Krebsforschers Michael H. Ripacholi zur Sprache gebracht werden. Dieser hatte 1995 nachgewiesen, daß Mäuse, die eine Prädisposition zu Blutkrebs hatten, etwa doppelt so häufig tatsächlich auch erkrankten, wenn sie gepulster 9000 Mhz-Strahlung (GSM-Standard) ausgesetzt wurden, daß auch die EU v. a. im epidemiolgischen Bereich Forschungsbedarf ausmacht, verdeutlicht ein jüngst initiiertes Projekt, das über fünf Jahre laufen soll und mit insgesamt 23,8 Mio. ECU dotiert ist. Ausführlich referiert werden zum einen kritische Befunde - auch aus der BRD und der Schweiz -, die die Möglichkeit erhöhter Leukämie-Raten bei Militärpersonal. DNS-Brüchen in Gehirnzellen, Veränderungen des EEGs und der REM-Phasen in der Folge von GSM-Strahlung sondieren, ebenso wie eine umfangreiche dreiteilige Studie, die im Auftrag zweier Ministerien und des Verbandes der Elektrizitäts-  werke Österreichs im Frühjahr 1997 vorgestellt wurde. Der Tenor zum Bereich Mobilfunk: Keinerlei Gesundheitsrisiko bei Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte. Das wohl wichtigste Ergebnis der (durch Buchhinweise und Benutzertipps angereicherten) Literaturübersicht der JBZ: Mögliche gesundheitsgefährdende Auswirkungen von Basisstationen, deren Zahl v.a. in Ballungsgebieten aufgrund der steigenden Zahl der Anbieter - somit des Profits und nicht der technischen Notwendigkeit wegen - rapide zunimmt, sind kaum erforscht. Vor allem hier, so der Verfasser resümierend, sei "das Vorsorgeprinzip und damit [auf wissenschaftliche Erkenntnis gegründetes] politisches Handeln gefragt". Die Studie ist unentgeltlich zu beziehen über das Magistrat der Stadt Salzburg, z. H. Ing. Ernst Klack, 5024 Salzburg).

Die JBZ verfügt zu diesem Thema nunmehr über ein reichhaltiges Dossier und wird die Entwicklung der wissenschaftlichen Diskussion auch weiterhin aufmerksam verfolgen. W Sp.

 

Holzinger, Hans: Gesundheitsrisiko Mobilfunk? Mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Mobiltelefone und Mobilfunk-Sendestationen unter besonderer Berücksichtigung des GSM-Standards. Eine Literaturstudie der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen im Auftrag der Stadt Salzburg. Salzburg, 1997. 57 S.