Das erste Heft des Jahrgangs 1999 der Öko-Mitteilungen widmet sich dem Schwerpunkt Ernährung. Zunächst präsentiert die Biologin Manuela Jäger die aktuellen Trends auf dem Ernährungssektor, die in so gegensätzliche Richtungen wie Fertiggerichte und Bio-Kost laufen. Sie ortet gute Chancen für die Biokost, sich neue Marktanteile zu erobern, wenn auf den zunehmenden Wunsch nach Fertiggerichten und Zulieferservices eingegangen wird. Mit Skepsis betrachtet sie hingegen das neue „functional food“: mit Vitaminen oder Spurenelementen angereicherte Nahrung verspricht das Verschontbleiben von Zivilisationskrankheiten bis ins hohe Alter. Viele Menschen wollen diese Chance, „gesund“ zu leben, nutzen, ohne die eigenen Gewohnheiten ändern zu müssen – obwohl keinerlei Beweise existieren, daß das irgend etwas bewirkt.

Ein anderer Beitrag stellt das Projekt „Globalisierung in der Speisekammer“ vor, in dem es um nachhaltige Ernährung geht. Dabei gibt es nach Ansicht der Autoren keine Patentlösungen – denn gesunde Ernährung bedeutet vor allen Artenvielfalt auf dem Speisezettel und es ist daher offenkundig, daß diese in Kenia anders aussieht als in Bangladesh. Insgesamt sei vor allem Rückbesinnung auf die Nähe wichtig. Der nächste Artikel nimmt den Skandal um den schottischen Biochemiker Arpad Pusztai in den Blick. Der Wissenschafter hatte in mehreren Fütterungsversuchsreihen zeigen können, daß Ratten, die mit gentechnisch veränderten Kartoffeln ernährt wurden, Wachstumsstörungen und eine deutliche Immunschwäche zeigten. Die Veröffentlichung seiner Ergebnisse kostete ihn seinen Job. Inzwischen wurden allerdings die Ergebnisse durch eine Gruppe unabhängiger Wissenschafter geprüft bzw. wiederholt, die sich daher über den Verdacht einig wurden, daß der Verzehr von transgenen Pflanzen erhebliche gesundheitliche Folgen haben kann. Sie legten ein Memorandum zur Rehabilitation Pusztais vor und forderten vehement die genaue Kennzeichnung aller gentechnisch veränderten Produkte. Nur so ließen sich langfristig Gesundheitsprobleme bzw. Zusammenhänge der gentechnischen Veränderung von Pflanzen mit den rasch zunehmenden Lebensmittelallergien erkennen.

Manche Unternehmen versuchen bereits, Pflanzen zu züchten, die solche Allergene nicht mehr enthalten, allerdings steckt diese Forschung noch in den Kinderschuhen. Es folgen zwei Beiträge aus dem Spannungsfeld von Ernährung und Wirtschaft: die Chancen von Fair Trade im Cateringbereich am Beispiel eines Großkunden und die dubiose Definition der Standards der Codex Alimentarius Commission. Eine Studie, die den Energieverbrauch von Bäckereien vergleicht, schließt das Schwerpunktthema ab. Das übrige Heft enthält wie immer Nachrichten und Ergebnisse aus dem Alltag des Ökoinstituts (www.oeko.de). A. R.

Ernährung. Schwerpunkt von Öko-Mitteilungen. Informationen aus dem Institut für angewandte Ökologie e.V. 1999. April. Heft 22/1.