Ökologie, Ökonomie und Soziales können nicht mehr getrennt voneinander betrachtet oder gar gegeneinandergestellt werden, sondern sind als anzustrebende Einheit zu sehen. Und soll das bei der Umweltkonferenz in Rio verabschiedete Ziel ”Sustainability" Realität werden, so bedarf es ganz konkreter Schritte dorthin in Wirtschaft und Gesellschaft. Als Konsequenz intensiver öffentlicher Debatten, die etwa von der Wuppertal-Studie ”Zukunftsfähiges Deutschland" ausgelöst wurden, hat nun eine Arbeitsgruppe "Agenda 21/Nachhaltige Entwicklung" des Umweltbundesamtes in Berlin Szenarien eines ökosozialen Wandels für die BRD erarbeitet. Es ging dabei, so der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge, "weniger um ganz neue Detailinformationen als um die Einordnung vieler, bisher getrennt betrachteter Einzelprobleme in die umfassende Perspektive der nachhaltigen Entwicklung". Ein Vorhaben, das ausgezeichnet gelungen ist. Ausgehend von aktuellen Daten und Trends wurden zu den Feldern Energienutzung, Mobilität. Nahrungsmittelproduktion, Stoffstrommanagement (am Beispiel der „Textilkette") und Konsummuster jeweils drei denkbare Entwicklungspfade bis zum Jahr 2010 erarbeitet. Einem ”Status-quo-Szenario werden dabei ein ”etflzlenz"-Szenario, das allein auf technische Optimierungen setzt, sowie ein durch umweltentlastende Verhaltensänderungen ergänztes "Struktur- und Bewußtseinswandel"-Szenario gegenübergestellt. Die Ergebnisse sind nicht überraschend: Nur die Verbindung von mehr Umwelteffizienz und Verhaltenswandel bietet die Chancen, die national und international eingegangenen Umweltverpflichtungen etwa zur Eindämmung des Treibhauseffekts tatsächlich umsetzen zu können. Es gehe daher auch um "neue Interpretationen dessen, was unter Wohlstand verstanden wird" (S.73). Neben den diskutierten Zukunftsszenarien zu Energie und Mobilität interessieren daher insbesondere die Ausführungen zu unserem Konsumverhalten und zukunftsfähigen Lebensstilen. Grundsätzlich wird erkannt, "daß eine Politik der globalen Verantwortung mit der heutigen Verteilung von gesellschaftlichem Reichtum und der übermäßigen Inanspruchnahme der begrenzten Ressourcen der Erde durch die Industrieländer nicht vereinbar ist" (S. 230). Zurecht wird auf die Notwendigkeit einer breiten Akzeptanz suffizienter Lebenstile verwiesen, wobei vor "religiös und missionarisch motiviertem Sendungsbewußtsein" gewarnt wird. Vielmehr müsse es gelingen, umweltschonendes Verhalten zu einem Attribut zu machen, "das einen Teil des Selbstwertgefühls einer Person ausmacht" (S. 235).  H. H. 

Nachhaltiges Deutschland. Wege zu einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung. Hrsg. v. Umweltbundesamt (UBA); Berlin: Schmidt. 1997. 355 S.