Ulrich Duchrow

Gerechtigkeit, Frieden, (Über)Leben

Ausgabe: 2026 | 1
Gerechtigkeit, Frieden, (Über)Leben

Weltweit sehen wir, wie sich die Neue Rechte des christlichen Denkens bedient. Trump, Putin, Orbán, Le Pen, die AfD und die FPÖ wollen – jeder auf eigene Weise – das  „christliche Abendland“ verteidigen. Der US-Vizepräsident D.J. Vance vertritt eine militante Form des Katholizismus, die Anklänge an den Austrofaschismus nimmt, bei dem sich die Kirche in den Dienst eines autoritären System gestellt hat.

Duchrows Buch markiert einen kräftigen Gegenpunkt gegen diese Vereinnahmung – und weist zugleich auf das utopische Potential des Christentums hin. Duchrow ist Professor für systematische Theologie und Sozialethik. Anhand seiner Lebensgeschichte erzählt er, wie in den christlichen Kirchen in den letzten sechs Jahrzehnten Sichtweisen entwickelt wurden, die zum Beispiel beim verstorbenen Papst Franziskus 2013 im dem berühmten Satz „Kapitalismus tötet“ gegipfelt haben. Duchrow ist Theoretiker, Praktiker und Aktivist. Bei ihm kann man studieren, wie diese Bereiche wirkungsvoll verbunden werden können. Er war maßgeblich daran beteiligt, ein weltweites Netzwerk aufzubauen: mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen, der Lutherischen und Reformierten Weltbünde, dem Vatikan und mit vielen sozialen Bewegungen. Duchrow berichtet, welche Erfolge und Misserfolgen zu verzeichnen waren und wie er das heute strategisch bewertet – und wie auch gegen den Widerstand etablierter christlicher Hierarchien z.B. in Deutschland Erstaunliches erreicht wurde.

Im Buch ist von vielen Zukunftsentwürfen die Rede, die auf der Basis einer christlichen Moralphilosophie entwickelt wurden. Sie betreffen alle „großen“ Fragen, wie die Umwelt, soziale Gerechtigkeit, kulturelle Teilhabe oder Krieg und Frieden. Hier geht es nicht um Moralappelle, sondern um Erkenntnisse aus politökonomischen Analysen, in denen politische Prozesse und die Strukturen des Kapitalismus angesprochen werden. Das Buch endet – angesichts des Versagens der politischen Parteien – mit einem Plädoyer für die Stärkung sozialer Bewegungen von unten und für Bündnisbildungen: „Vielleicht werden die zukünftigen Generationen dann doch noch eine Lebenschance haben“ (S. 236).