Als in den vergangenen Jahren zahlreiche Friedensforschungsinstitute ihre 20 oder 25jährigen Bestandsjubiläen begingen, hieß es häufig, die Friedensforschung sei nun den Kinderschuhen entwachsen. Die Grundsatzdebatte, die zur gleichen Zeit aufkam und durch die Veränderung der weltpolitischen Situation zusätzlich genährt wurde, zeigt allerdings, dass in der Friedensforschergemeinde keineswegs ein einheitliches Verständnis über die eigenen Positionen und Aufgaben herrscht. Dieser Band knüpft mit Beiträgen von deutschen Friedensforschern und Sozialwissenschaftlern an diese Grundsatzdebatte an. Das Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist ein Gegenstand, den die Autoren und Autorinnen ausloten. So wird das Verhältnis zwischen Friedensforschung und Politik anhand ihrer institutionellen Entwicklung in der BRD nachgezeichnet, neue Perspektiven werden aufgezeiqt, und Überlegungen zum wissenschaftstheoretischen Standpunkt der Friedensforschung angestellt. Frieden betrifft alle Bereiche des menschlichen Seins, und daher ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihm notwendigerweise inter- bzw. transdisziplinär. Neben Beiträgen aus den traditionellen friedensrelevanten Fachgebieten beinhaltet der Band auch Ansätze aus feministischer und naturwissenschaftlicher Sicht, wobei besonders letzterer in Zukunft eine größere Bedeutung zukommen dürfte. Will die Friedensforschung systemkritisch wirken und dem Anspruch einer "Existenzverbesserungswissenschaft“ gerecht werden, muss sie Handlungsorientierungen nicht nur für Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft und Militär bieten, sondern auch der Friedensbewegung Impulse geben. Der Band verdeutlicht, wie schwierig es ist, an der Bruchstelle von Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit zu wirken. 

Friedensforschung. Eine Handlungsorientierung zwischen Politik und Wissenschaft. Hrsg. v. Ulrike C. Wasmuth, Darmstadt: Wissenschaftl. Buchges., 1991. 308 S., DM 29,80/ sFr 25,30 / öS 232,40