Der Ernährungswissenschaftler Fabio Parasecoli schreibt mit dem einfach und prägnant titulierten Buch Food eine Einführung in die Welt der Lebensmittelsysteme. Der Autor beleuchtet vor allem die Rolle von politischer und wirtschaftlicher Macht bei der Produktion und Verteilung von Essen.

Unsere „Food Systems“ sind aufgrund ihrer Komplexität enorm krisenanfällig. Besonders verwundbar sind die Produzenten unseres Essens, die von Weltmarktpreisen abhängig sind: „What do low production costs mean in terms of the wages and safety of those employed in the food industry? What do the people who produce our food eat?“ (S. 33)

Ein großes Problem ist der ökologische Fußabdruck, den unsere Nahrungsmittelproduktion hinterlässt. Die Verschwendung von Essen geht einher mit einer Verschwendung von Wasser und Energie. Trotz Überproduktion betont der Autor, dass auch heute noch immer Nahrung fehlt, dass aber Nahrungsmangel sein Gesicht verändert hat: Etwa, wenn zwar genug Kalorien aber nicht genügend Nährstoffe zur Verfügung stünden, was Fettleibigkeit vor allem in ärmeren Schichten in Industrie- und Schwellenländern bedinge. Besonders kritisch sieht Parasecoli die Rolle des globalen Finanzkapitalismus: Mit der weltweiten Handelsliberalisierung ab den 1980ern, die auch den Nahrungsmittelsektor erfasste, wurden Lebensmittel zu einem Spekulationsobjekt: „Whole populations, in fact, have been suffering from the sudden spikes in food prices caused by market instability and speculation. In the absence of international agreements on the management of the financial aspects of food markets, these phenomena are likely to happen again – and possibly more frequently.“ (S. 175)

Welche Lösungen gibt es für die  Herausforderungen im Kontext unserer Lebensmittelsysteme? Parasecoli verweist vor allem auf das Konzept von „food sovereignty“ – also das Recht von politischen Gemeinschaften aller Größen zu entscheiden, welches Essen wie produziert, verteilt und konsumiert wird, als Form des Widerstands gegen die Macht internationaler Konzerne. Was die individuellen Konsumenten anbelangt, bleibt natürlich die Entscheidung zum ethischen Konsum eine wichtige – doch ohne systemische Lösung wird eine Krise unserer „Food Systems“ unvermeidbar sein.