Schon der Titel provoziert: Wieviel Information über echte Lebensmittel wird verdaut und geht als nachhaltiges Wissen in Fleisch und Blut über? Gibt unser intellektuelles Organ angesichts der Flut geschickt verpackter Desinformation (in Medien, Werbung, politischer Propaganda...) etwa gar den Geist auf?

Dem renommierten Campus-Verlag ist es offensichtlich darum zu tun, gesundheitsförderliche Prozesse zu und die Filter der Wahrnehmung zu verfeinern. Der Hauptverantwortliche der hier vorgestellten Reihe, Franz-Theo Gottwald, Vorstandsmitglied der Münchner Schweisfurth-Stiftung versammelt einige praxisorientierte Wissenschafter, die sowohl zur regionalen wie weltweiten Vernetzung von Landwirtschaft und (Über)Lebensmittel-Konsumenten einiges beitragen. So u. a. Bernward Geier, der Geschäftsführer von IFOAM, dem weltweiten Netz von Biobauern, oder der Aktivist Gustavo Esteba, der mit Bauern im Süden Mexikos lebt und ihnen nicht nur Wissen vermittelt, sondern von und mit ihnen lernt, den Folgen der neoliberalen Weltwirtschaft zu widerstehen.

Ähnlich kämpft Vandana Shiva mit indischen Bauern gegen die Patentierung und Monopolisierung von Saatgut und andere Grundsubstanzen unseres Ökosystems. José Lutzenberger, wie Vandana Shiva mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, analysiert mit seinem Beitrag “Die Absurdität der modernen Landwirtschaft”, den er gemeinsam mit Melissa Halloway verfaßte, die Mechanismen der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Aufbauend auf die desillusionierenden Erfahrungen als Umweltminister Brasiliens, aber auch seine Praxis in Ökobetrieben sondiert er Chancen und Grenzen von weltweit vernetzten Widerstandsbewegungen.


M. Rei.

Lutzenberger, José; Gottwald, Franz-Theo: Ernährung in der Wissensgesellschaft. Vision: Informiert essen. Frankfurt/M. (u. a.): Campus-Verl., 1999. 258 S.  DM 36,- / sFr 35,- / öS 263,-