Knapp 800 Millionen Menschen auf der Erde sind chronisch unterernährt. Einschränkungen in der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sind die Folge, in fortgeschrittenen Fällen führen diese Mängel zum Tod. Armut ist die wichtigste Ursache für Unterernährung, denn weltweit, so die Autoren, sind - vorerst noch (s. Nr. 199) - ausreichend Nahrungsmittel zur Ernährung aller Menschen vorhanden. Über das ungebremste Bevölkerungswachstum hinaus werden zunehmende Flächenverluste durch Desertifikation und Verstädterung, sinkende Flächenproduktivität sowie die Ausdehnung der Flächen für die Produktion von Exportfrüchten als Hauptursachen für die Unterernährung in den Ländern des Südens benannt. Zudem zeigt die aktuelle Entwicklung, daß die Zunahme des Getreidekonsums etwa dem   Bevölkerungswachstum entspricht, die Nachfrage nach Futtergetreide aufgrund sich verändernder Ernährungsgewohnheiten in den sich industrialisierenden Ländern dieses aber um mehr als das Doppelte übersteigt. Die Hoffnung der FAO, der Ernährungsorganisation der UNO, daß die Welt auf dem Weg sei, die Geißel von Hunger und Unterernährung bis zum Ende des Jahrhunderts zu beseitigen, war zu optimistisch. Das Handbuch geht davon aus, daß uns - selbst wenn die Produktionserfolge durch Biotechnologie verbessert werden sollten - das Problem des Hungers auch das nächste Jahrtausend begleiten und das Afrika südlich der Sahara dabei die Hauptkrisenzone bleiben wird. Der Anteil untergewichtiger Kinder könne aber auch in China, Mittelamerika und der Karibik weiterwachsen. Selbst nach optimistischen Schätzungen werden im Jahr 2000 in Entwicklungsländern 108 Millionen Kinder an den Folgen von Unterernährung leiden. Die Begrenzung der Degradierung von Landflächen, die Förderung von integrierten Pflanzenernährungssystemen, Wasserentwicklungspläne und nicht zuletzt die Entwicklung des Potentials der Biotechnologie benennen die Autorinnen in Anlehnung an die FAO als wichtigste Handlungsperspektiven für die Zukunft. Doch Unterernährung ist nur das eine Gesicht der Fehlernährung. So zeigen die Autoren in einem zweiten Teil am Beispiel der BRD exemplarisch für "entwickelte" Gesellschaften, daß ausreichendes Nahrungsangebot noch längst nicht die Gesundheit der Bevölkerung garantiert. H. H.

Oltersdorf, Ulrich; Weingärtner, Lioba: Handbuch der Welternährung. Die zwei Gesichter der globalen Nahrungssituation. Hrsg. v. d. Dt. Welthungerhilfe. Bann: Dietz, 1996. 208 S.