Die Chancen wie Risiken der verschiedenen Möglichkeiten zur Nutzung des regenerativen Energieangebots in Deutschland im Vergleich zu den jeweiligen konventionellen Techniken vor dem Hintergrund der energiewirtschaftlichen Gegebenheiten besser beurteilen und bewerten zu können, ist das Ziel dieser technisch detaillierten, mit Unterstützung des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart durchgeführten Studie. Untersucht wurden die Potentiale der BRD zur Elektrizitätserzeugung bzw. Wärmebereitsteilung durch solare Strahlung, Windenergie, Wasserkraft, photosynthetisch fixierte Energie (Biomasse) sowie Erdwärme. Als Meßgrößen dienten der Wirkungsgrad (Kapazität, gesicherte Leistung) sowie die Material-, Energie- und Emissionsbilanzen. Anders als in der Einleitung zitiert, wird letztlich aber vor allem ein Vergleich zwischen Photovoltaik, Windenergie und Wasserkraft zur Stromerzeugung sowie zwischen Solarthermie und Geothermie zur Wärmebereitstellung vorgenommen. Daraus ergibt sich, daß die Stromgewinnung durch Windkraftanlagen gegenüber jener von Wasserkraftwerken, wenn diese neu gebaut werden müssen, bereits Jetzt kostengünstiger sein kann und in Zukunft auch mit dem Betrieb bereits bestehender Wasserkraftwerke mithalten können wird. Der Photovoltaik werden zwar die größten Innovationspotentiale attestiert, doch weisen sie im Vergleich mit Wasser- und Windkraft bedeutend höhere Kosten sowie schlechtere Material- und Energiebilanzen auf. Geothermische Wärmenutzung, so ein weiterer Befund, ist Solarenergie auch im Bereich der Wärmeaufbereitung überlegen. Die Autoren errechnen in einem Referenzszenario zwar die Kosten und Umweltbilanzen für ÖI- und Gasheizungen, den Vergleich mit Solarenergie steilen sie jedoch nicht mehr an. Nicht behandelt werden auch die Stromgewinnung aus Kohle- und Atomkraftwerken. Gerade für den Bereich der Atomenergie wäre eine Kostenbilanz sehr aufschlußreich, jene der Umweltrisiken ließe sich ohnedies schwer in Zahlen fassen. Die detaillierten Berechnungen der Studie - etwa über das Windaufkommen oder die Strahlungsintensität der Sonne in der Bundesrepublik Deutschland - bilden eine interessante Grundlage für Folgearbeiten, das Zahlenmaterial bedarf jedoch einer kritischen Sichtung; so wurde etwa bei den kostengünstigeren Öl- und Gasheizungen der Flächenverbrauch mit Null kalkuliert, was auf keinen Fall zutreffen kann, wenn man die hierfür nötige Gesamtinfrastruktur (inklusive 01und Gaspipelines) miteinberechnet. H.H.

Erneuerbare Energien. Systemtechnik, Wirtschaftlichkeit, Umweltaspekte. Hrsg. v. Martin Kaltschmitt... Berlin (u.a.): Springer, 1995. 455S., DM/sFr 73,-/ÖS 569,40