Die Autorin, seit vielen Jahren Präsidentin der "World Futures Studies Federation" (WFSF), gibt an dieser Stelle eine prägnante Darstellung zur Geschichte der Zukunftsforschung, der einige wohlbegründete Annahmen über weitere Tendenzen und Entwicklungen folgen. Ausgehend von den Überlegungen von John McHale, Fred Polak und Bertrand de Jouvenel zeigt sie, daß zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft enge Zusammenhänge bestehen. Betonte McHale, daß Entscheidungen über wünschenswerte Zukünfte vor allem auch die Gegenwart beeinflussen (sodaß die Zukunft immer auch eine Interpretation der Vergangenheit darstellt). betonte Polak die utopische Funktion der Zukunftplanung. Für ihn war sie vor allem eine Reaktion auf die notwendigerweise unvollkommene Gegenwart. In gleicher Richtung betonte de Jouvenel, daß sich Zukunft nicht "blind ereignet". sondern immer - bewußt oder auch unbewußt - gestaltet wird. Daran anschließend macht Masini vor allem auf einen signifikanten Unterschied zwischen amerikanischen Studien der 60er und 70er Jahre und europäischen Konzepten dieser Zeit aufmerksam: Während man in den USA weitgehend an der Kontinuität des Bestehenden interessiert war (und aus diesem Grund die Bedingungen der Gegenwart fortzuschreiben versuchte), erkannte man in Europa zunehmend, daß Zukunftsplanung weder mit Extrapolation noch simpler Vorhersage gleichzusetzen ist. Neue globale Herausforderungen, die vor allem zu Ende der 70er und zu Beginn der 80er Jahre in- den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückten (Nord-Süd, Umwelt) machten auf die Grenzen der technischen Machbarkeit aufmerksam, und führten infolgedessen auch zu der Einsicht, daß Werte, Normen und Zielvorstellungen die Zukunft ebenso prägen wie (scheinbar) objektiv erstellte Daten. Persönliche Einstellungen (Optimismus/Pessimismus, auch im Hinblick auf das Eintreffen des Vorhergesagten) wirken sich weiters entscheidend auf die Zukunft aus. Szenarien werden daher zunehmend als Strategien zur Gestaltung der Zukunft und immer weniger als Beschreibungen denkbarer Zukünfte verstanden. Als weiteres signifikantes Merkmal beobachtet Masini die Zunahme national und lokal orientierter Studien, während noch vor wenigen Jahren globale Entwürfe und Konzepte im Vordergrund standen. Dies führt sie auf divergierende Problemstellungen und darauf zurück, daß Szenarien zunehmend auch zur Grundlage politischer Entscheidungen herangezogen werden.

Masini, Eleonora Barbieri: The Future of Futures Studies. A European view. In: Futures, April 1989, S. 152160.