Nach dem vielzitierten Ende des utopischen Denkens ist es nun an der Zeit, nach dem Sozialen in der Sozialen Marktwirtschaft zu fragen, neue Formen des solidarischen Wirtschaftens anzuwenden sowie Freiheit und individuelle Verantwortung neu zu denken. Die Utopie als Möglichkeitsform, als Gegenbild und notwendige Hoffnung kommt wieder ins Gespräch, nicht zuletzt durch die lesenswerten Beiträge in dieser Zeitschrift. Frank R. Pfetsch bedient sich eines Utopiebegriffs, der frei ist von Realisierungsansprüchen. Plausibel erarbeitet er den Gegensatz von Entwurf und Realität. Die Relevanz des Utopischen ist für ihn im Bedürfnis nach Synthesis und Ganzheitlichkeit, im Spielerischen und Phantasievollen nach wie vor aufrecht. Mit dem Spannungsverhältnis zwischen individuellen Grund- und Menschenrechten und den Ansprüchen des Staatsganzen beschäftigt sich Richard Saage. Als Politikwissenschaftler sieht er in der Utopie das   regulative Prinzip gegenüber erkennbaren gesellschaftlichen und globalen Fehlentwicklungen. Ralf Dahrendorf fordert in seinem Beitrag eine neue Weltordnung der Freiheit, von der wir jedoch weiter weg sind denn je. Als "das wichtigste Projekt der Menschheit überhaupt" bezeichnet er im Sinne Kants die Hoffnung auf Ewigen Frieden. Johano Strasser fordert schließlich eine sozialgestalterisch abgesicherte Perspektive des Fortschritts, in der Ignoranten und Unwissende von neuen Ideenträgern abgelöst werden. Ihm erscheint unsere Lebens- und Wirtschaftsweise nicht das alternativlos letzte Wort der Geschichte, denn es gilt "ein hohes Niveau der Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen mit immer weniger Energieverbrauch, mit immer weniger Verbrauch nicht regenerierbarer Rohstoffe, mit immer weniger Belastungen für die Umwelt, unter immer menschenwürdigeren Arbeitsbedingungen " anzustreben. Abschließend macht sich Johannes H. Fischer auf die Suche nach verlorenen Zukunftsvisionen in der Architektur, deren Anliegen eine humane Umwelt für künftige Generationen sein müsste, in der Menschen mit ihren subjektiven Wünschen und Bedürfnissen das Maß der Gestaltung sind. Alfred Auer

Die Zukunft der Utopie. In: Universitas. Stuttgart: Wiss. Verlagsges. 47 Jg. (1992), Nr.4 (550)