Seit den 60er Jahren sprießen New-Age-Bücher wie Pilze aus dem Boden. Die aufkommende neue Religiosität, das Interesse am Übernatürlichen, die Hoffnung auf eine Wendezeit konnte nicht unwidersprochen bleiben. Kritik an Capra, Ferguson, Russel - oder wie sie alle heißen - kam und kommt aus verschiedensten Richtungen. Am wortgewaltigsten trug wohl bisher Hans Pestalozzi (siehe PZ 3/87~119) seine Ablehnung der New-Age-»Heilsbotschaften« vor. Die vorliegende Kritik ist theologisch fundiert. Die Autoren sind Mitarbeiter der »Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen«. Vor diesem Hintergrund wird zwar eine ausführliche Auseinandersetzung mit der New-Age-Bewegung auf ein neues Zeitalter vorgenommen, die Kritik bleibt aber meist bei ethisch-theol9Qischen Fragestellungen stehen. Für den Leser sind die fünf Aufsätze zweifellos anregend. Es wird beispielsweise gezeigt, dass das Bewusstsein der Wendezeit immer wieder Bestandteil der menschlichen Kulturgeschichte war und ist (Küenzlen). Wendezeit gab es also auch vor 200 Jahren - ohne Eintrittskarte ins Wassermannzeitalter. Als Grund für die enorme Popularität des New Age wird der gesellschaftliche Orientierungsverlust genannt. Die damit verbundene Säkularisierung erzeugt notwendig eine »neue vagabundierende Religiosität« (Hemminger). Die theologische Kritik geht vordergründig davon aus, dass die New-Age-Bewegung ihre »Plausibilität aus den Trümmern eines zerbrochenen Fortschrittsglaubens« bezieht. Die „neue Religion“ wird jenem Denken zugerechnet, das auf die Verwirklichung des Glücks bereits hier auf Erden abzielt, während die christliche Hoffnung auf das Jenseits baut. Manche Auffassungen der Bewegung sind in der Tat besorgniserregend, etwa jene von Sir George Trevelyan, einem Grandseigneur des New Age und Inhaber des alternativen Nobelpreises (1982), über den Dritten Weltkrieg: „Nach einem Atomkrieg könnte die Erde in neuer Schönheit erstehen ...“  

Die Kritik am New-Age-Bewusstsein ist ebenso wenig neu wie die Verkündigung der Wendezeit. Trotzdem bleiben viele Fragen offen. Können wir uns überhaupt aus einer materialisierten und entfremdeten Welt per Kopfsprung verabschieden und in einen magischen, gefühl- und seelenvollen Kosmos eintauchen? Warum muss eigentlich alles durch Mythen gerechtfertigt werden, wo Unsicherheiten anzunehmen wären. Wozu braucht man also Sinnstifter, Gurus und selbsternannte Propheten im Selbsterlösungsprogramm des New-Age-Messianismus (Küenzelen)? Die traditionelle, reduktionistische Wissenschaft wird einerseits vehement kritisiert, dient aber gleichzeitig (etwa bei Ferguson die neurophysiologische Forschung) der Legitimation eines neuen Bewusstseins. Inwieweit dürfen neue Weltbilder auf Theorien aufbauen, die in den Naturwissenschaften eine Rolle spielen? In welchem Maße sind Entpolitisierung oder/und Individualisierung zur Durchsetzung eines neuen Bewusstseins nötig, wenn sich die alten Fragen ohnehin von selbst lösen? Bezeichnend ist, das Anhänger und Kritiker nicht miteinander reden können. Es gibt nur Gläubige und Nichtgläubige; beide verbarrikadieren sich hinter ihrem Wissens(glaubens-)system. In diesem Diskurs wird den Gegnern dann vorgeworfen, sie bekämen bestimmte »vibrations« nicht mit oder beschränkten sich auf Sachargumente. Alles in allem werden wir begreifen müssen, dass wir durch einige Seminare keine Schamanen werden und dass uns Reisen in frühere Existenzen nicht handlungsfähiger machen.

Die Rückkehr der Zauberer. New Age. Eine Kritik. Hansjörg Hemminger (Hrsg.). Stuttgart: Rowohlt, 1987, 270 S.