Es fehlt nicht an ermutigenden Zukunftsvorstellungen und Vorschlägen zur praktischen Umsetzung. Letztere sind bei der großen Zahl von New-Age-Literatur eher rar. Breidensteins Text hebt sich von der Maße insofern wohltuend ab, als er Tabuthemen des New Age wie die Machtfrage und das Konfliktdenken nicht ausklammert. Es geht ihm v.a. um die Überwindung der Macht jener, die sich einem gesellschaftlichen Heilungsprozess widersetzen. Zur Heilung gehört für Breidenstein eine rückhaltlose Aufklärung über den Ernst der Lage. Die tieferen Ursachen sieht er im Kapitalismus, im Expansionismus, im "herrschaftlichen" Weltbild sowie im EgoZentrismus. Er gibt auch zu bedenken, dass alle heute erkennbaren Trends auf eine schleichende oder gar galoppierende Verschlimmerung hinweisen. "Die Vorstellung, Größere Katastrophen seien abwendbar, halte ich für illusionär." Allerdings sieht er in den bevorstehenden Entwicklungen - er versteht sie als Übergangskrisen, nicht als Untergangskrisen - auch unsere Chance. Seiner Ansicht nach müsste es gelingen, bisher Getrenntes zusammenzuführen: gesellschaftliches Engagement und Selbsterfahrung, Politik und Spiritualität. Anstelle des Kampfes um die Macht muss Schwächung der Machtbasis und Stärkung der Gegenkräfte treten. Auf dem Weg in eine neue Kulturepoche ist jeder gefordert, für die Erlangung eines entsprechenden Bewusstseins zu arbeiten (etwa durch Selbsterfahrung) und in entsprechendes Handeln (ökologische Lebensweise, Überwindung des Patriarchats) umzusetzen. 

Breidenstein, Gerhard: Hoffen inmitten der Krisen. Von Krankheit und Heilung unserer Gesellschaft. Frankfurt/M.: Fischer, 1990. 267 S. (Fischer Perspektiven) DM 16,80/sFr 14,20/öS 131