Der Soziologe Michael Schneider unternimmt hier den Versuch, die "geistige Strömung" New Age in einer umfassenden Analyse darzustellen. Den Beginn dieses "neuen Zeitalters" ortet Schneider in den 60er Jahren. Die Ideale der “Flower-Power"-Generation sowie neue psychotherapeutische Techniken der "Human-Potential-Bewegung", die die Persönlichkeitsreifung des einzelnen in den Mittelpunkt stellten, bilden den ideologischen Hintergrund des New Age.

Für Schneider markieren vor allem drei Begriffe, nämlich" Paradigmenwechsel" , "Kosmisches Bewußtsein" und "Transformation", den zentralen Sinn des New Age. Während der erste den gesellschaftlichen Wandel von einem "statischen und mechanischen Weltbild hin zu einem ganzheitlichen meint", in dem die Trennung von Geist und Materie aufgehoben ist, bezeichnet der zweite eine mysteriöse Erkenntnismöglichkeit, durch welche der Mensch in die Lage gebracht werden soll, "sein analytisches Denken zu überwinden" und mit Hilfe "esoterischer Techniken" (Meditation, Fasten) über seine "begrenzte Wahrnehmung" hinaus zugelangen zu “neuen Erlebnisdimensionen ". Dies führt letztlich zur erstrebten "Transformation", hin zu einem "erweiterten Bewußtsein".

Heute lassen sich aus der unüberschaubaren Menge von New-Age-Lehren zwei Hauptansätze herausdestillieren: der esoterisch-astrologische und der - sogenannte - wissenschaftliche Ansatz. Während der erste Hauptansatz "die Lösung der weltweiten Krisen in einer verstärkten Innenschau des Menschen sieht", versuchen Vertreter des zweiten - unter ihnen Fritjof Capra -, die mit Hilfe "esoterischer Techniken" eine "persönliche Transformation" erreichten, einen Paradigmenwechsel einzuleiten. Des weiteren präsentiert Schneider zahlreiche Theorien und Praktiken des New Age sowie prominente Vertreter verschiedener esoterischer Therapien. In einer Schlußbetrachtung fordert er, daß "konstruktive Facetten des New Age samt dessen spiritueller Techniken" gefördert werden sollen, um eine bessere Welt zu etablieren.

Leider bleibt die populärwissenschaftliche Analyse allzu oberflächlich. Anstatt das umfangreiche Untersuchungsmaterial einfach nur inhaltlich darzustellen, wäre eine kritische Betrachtung der nebulösen Begriffsvielfalt - denn diese ist bezeichnend für das New Age - zielführend gewesen. So allerdings bleiben die diskutierten Begriffe und Theorien spekulativ und erleuchten nur jene, die gewillt sind, zu glauben.

M. K.

Schneider, Michael: Esoterik und New Age. Das Zeitalter des Wassermanns. Analyse einer Bewegung. Augsburg: Pattloch, 1995. 2305., DM 34,- / ÖS 249