Das für die Beförderung von Mensch und Gütern konzipierte Automobil, vor dreitausend Jahren schon von den Chinesen - und Ende des neunzehnten Jahrhunderts, mit nachhaltigeren Folgen noch einmal erfunden, ist inzwischen zu einem multifunktionellen Kultgegenstand geworden. Ob unterbewusst als Ersatz für die, mit Verlassen der Gebärmutter verloren gegangene Geborgenheit erlebt, oder bewusst als Chambre séparée genützt, ist das Auto für den Gegenwartsmenschen weniger seiner Funktion als Fortbewegungsmittel wegen, denn ob seiner Symbolträchtigkeit, schier unverzichtbar geworden. Autos werden wie Kleidung wahlweise "von der Stange" gekauft oder bei der „Haute Couture" in Auftrag gegeben, werden wie eine Uniform als Signum sozialer Kastenzugehörigkeit erworben oder als Rangabzeichen innerhalb einer institutionellen Hierarchie zugeteilt; Autos übernehmen die Rolle von Turnier- und Schlachtrössern, Renn- und Militarypferden und dienen professionellen Killern ebenso als Waffe, wie Amateuren zum Totschlag oder zum Suizid. Einmal zum Filmstar geworden und bis zum denkenden, sprechenden und handelnden Kid mutiert, kann sich das Auto auf die Psychologie der Autobesitzer verlassen. Das Elektroauto hat neben einer solchen Konkurrenz keine Chance.  Ein von den Autoren gleichermaßen amüsant wie interessant geschriebenes Buch, dessen entlarvender Inhalt durchaus geeignet ist, auf den einen oder anderen Leser auch therapeutisch zu wirken.

Marsh, Peter; Collett. Peter: Der Auto-Mensch. Zur Psychologie eines Kulturphänomens, Olten (u.a.): Walter-Verlag, 1991, 290 S. DM 42,50 / sFr 36,00 / ö5 331,20