Angesichts des Eindringens der neuen (Informations- und Kommunikations-) Technologien in unseren Alltag und der noch unabsehbaren Konsequenzen dieses Prozesses ist die große Zahl von Publikationen zum Thema "Bildung und neue Technologien" verständlich; zugleich erschwert aber gerade diese Fülle nicht immer nur seriöser Beiträge die erhoffte Orientierung. Der Verlag scheint jedenfalls mit dieser Hoffnung kalkuliert zu haben, als er den Titel formulierte. Wer aufgrund dieses Titels das Buch zur Hand nimmt, muß enttäuscht sein denn es handelt sich um eine Sammlung von Aufsätzen und Referaten des Autors aus den Jahren 1983 bis 1987, allesamt bezogen auf die Situation in der BRD. Das Buch teilt Vorzüge und Nachteile jeder Aufsatzsammlung. Das Thema wird nicht systematisch, sondern unter einigen speziellen Gesichtspunkten diskutiert. Dabei kommt es gelegentlich zu Überlappungen, während andere Felder unbestellt bleiben. Auf der anderen Seite verlangt die Aufsatzform nach kompakter, je thesenhafter Darstellung, welche Chance Rolff in einigen Beiträgen gut genutzt hat. Eindeutiger Schwerpunkt liegt auf dem schulischen Bereich, dem neun von elf Aufsätzen gelten; die anderen zwei befassen sich mit Erwachsenenbildung. Der einleitende und umfangreichste Aufsatz setzt sich mit dem Wandel der Aneignungsweisen auseinander, die Massenmedien und Massenkultur vor allem für das Kind bedingen. Dabei hält sich der Autor von Verdammung wie Euphorie gleicherweise fern und arbeitet heraus, wie es auf die Nutzung von Chancen und die Vermeidung von Gefahren ankommt. Mehrere Abschnitte haben die Informatik in der Schule zum Thema. Auch hier besticht die ausgewogene Erörterung, die sowohl technikfeindliche 'als EDV-orientierte Argumente analysiert und zum Schluß kommt, daß es neben einer Grundbildung in Informatik mindestens ebenso auf Computerkritik und Verstärkung der Allgemeinbildung ankommt. Ein Konzept für den Informatikunterricht in verschiedenen Schulstufen liefert die konkrete Ergänzung für diesen Teil, wobei Bildungsbegriff und daraus resultierende Didaktik stets mit reflektiert werden. Rolff trifft hier eine überzeugende Unterscheidung von "Alltagswissen“, "Systemwissen" und "Bildungswissen" und postuliert 5 Kriterien für didaktisches Handeln: Gestaltbarkeit (Aufzeigen historisch-politischer Zusammenhänge), Durchschaubarkeit (Förderung von Wissenschaftsorientierung und Erkenntniskritik), Sinnlichkeit (Eigentätigkeit, Erleben), Ganzheitlichkeit und Solidarität. Am Beispiel des von Hartmut von Hentig begründeten Oberstufenkollegs untersucht Rolff dann diesen Versuch, Spezialisierung durch übergreifende Orientierung zu ergänzen bzw. zu korrigieren und kommt zu einem äußerst positiven Befund. Im Blick auf die Erwachsenenbildung kritisiert Rolff, daß die quantitativ überwiegende innerbetriebliche Bildung bei der Auseinandersetzung mit den neuen Technologien in der Regel zu funktionalistisch verfährt und insbesondere die emanzipatorischen und kritischen Aspekte vernachlässigt. Nach einigen Gedanken zum Einsatz von Organisationsentwicklung als Mittel der Schulreform beschäftigt sich Rolff mit Begabung und Chancengleichheit. Er unterzieht den Glauben an die Meßbarkeit der Intelligenz einer vernichtenden Kritik und fordert stattdessen mehr Forschung über Lernförderung. Nach einer bildungspolitischen Analyse der letzten 15 Jahre kommt er zum Schluß, daß die Bemühungen um mehr Chancengleichheit trotz marginaler Fortschritte nach wie vor höchst aktuell sind. Eine Untersuchung über Einstellung der Bevölkerung zur Bildungsreform schließt das Buch ab. Insgesamt also eine Sammlung von Artikeln recht verschiedenen Gewichts und verschiedener Relevanz, aber stets um sachliche und fundierte Erörterung bemüht. Gerade weil das Buch als Aufsatzsammlung seinem Titel nicht gerecht werden kann, möchte man wünschen, daß Rolff in gleich kompetenter Weise sich einmal an einer systematischen Gesamtdarstellung des Themas versucht.

Rolff, Hans-Günter: Bildung im Zeitalter der neuen Technologien. Essen: Neue-Deutsche-Schule-Verlagsges., 1988. 158 S. (Pädagogik und Politik)