Von 1991 bis 1994 führte der Deutsche Volkshochschulverband ein Projekt "Medien und Bildung im kommunikativen Netzwerk" durch, das das vielfach erprobte Modell des Medienverbunds in Richtung flexibler und erweiterter Kooperationsformen weiterentwickeln sollte. Auf der Basis dieses Projekts entstand der vorliegende Sammelband, der die Thematik in drei Abschnitten reflektiert. - Im ersten Teil werden psychosoziale, politische und organisatorische Zusammenhänge auch historisch dargestellt: Klaus Burmeister und Weert Canzler beschreiben die soziale Tradition von Netzwerken und erörtern Zukunftsperspektiven; Klaus Harney analysiert die einerseits stabilisierenden, andererseits innovatorischen Möglichkeiten von Netzwerken; und Heinz H. Meyer beleuchtet Partizipationseffekte vor allem in der Kommunal- und Kulturpolitik.

Im zweiten Abschnitt geht es um verschiedene Ansätze einer Neuorganisation des Bildungs- und Kulturbereichs: Sabine Jungk widmet sich den neuen Kompetenzanforderungen von Personen und Institutionen, die vernetzt arbeiten wollen; Ortfried Schäffter legt dar, daß für Kooperation oft erst ein neues Bewußtsein der Erwachsenenbildungseinrichtungen wachsen muß; zuletzt werden vernetzte Strukturen und Abläufe im didaktischen Feld (Beate Blättner) und im Management (Christoph Reichard) beschrieben.

Der dritte Teil konzentriert sich auf die Medien. Friedrich Hagedorn plädiert für ein neues Verständnis von Bildung und Kultur als öffentliche Agenturen; Uwe Sander ist   angesichts der Entwicklungen des Fernsehens eher skeptisch, daß dadurch konkrete Beziehungen aufgebaut werden können; im letzten Beitrag tritt Mechthild Lohmann für eine kreative und unkonventionelle Nutzung der neuen Medien ein, die Chancen für effektivere Informationsbeschaffung, Verbesserung der lokalen Kooperation, attraktive Präsentation von Angeboten und eine interaktive Didaktik böten.

Das Buch ist vor allem eine Sammlung prinzipieller Überlegungen, wie sich Bildungs- und Kultureinrichtungen angesichts immer knapperer öffentlicher Kassen in Richtung vernetzter Arbeit neu orientieren können und sollen. Wer konkrete Beispiele oder Handlungsanleitungen erwartet, wird weniger profitieren - auch wegen der weithin verwendeten soziologischen Fachsprache vieler Beiträge.

W R.

Anders arbeiten in Bildung und Kultur. Kooperation und Vernetzung als soziales Kapital. Hrsg. v. Friedrich Hagedorn ... Weinheim (u. a.): Beltz, 1994. 180 5., DM/sFr 32, - /öS 250, - (Zukunfts Studien; 14)