So wie viele Köche den Brei, verdirbt auch die wachsende Zahl diverser Verschönerungs-, Gestaltungs- und Revitalisierungs-Gremien, -beiräte und -initiativen, oft mehr als sie verhütet. Geschnitzte Holzbalken alleine reichen nicht aus, um den "Glanz des Wahren" (Augustinus) zum Aufleuchten zu bringen. „Alpendächer" im Leithagebirge, Zwergkoniferen als "botanische Gartenzwerge" und schlampig umgesetzte Architekturzitate am falschen Ort lassen das Gefühl für taktvolles Benehmen und Geschmack vermissen, die alten Kulturen selbstverständlich waren. Die psychologisch und wirtschaftlich wichtige Beziehung des Bewohners zu seinem Haus ist verloren gegangen. Das gilt auch für den Handwerker, der meist außerstande ist, mit wenigen Materialien die architektonische Formensprache seiner Zeit zu beherrschen. Rainer belegt bei fundierter Kritik jedes seiner Argumente mit sorgsam ausgewählten Beispielen, deren Überzeugungskraft vor allem dort zum Tragen kommt, wo den heutigen Bausünden die Tugenden der Vergangenheit gegenübergestellt werden. Dem Titel durchaus gerecht werdend, setzt sich der Autor auch ausführlich mit der Naturfeindlichkeit v.a. des Tiefbaues auseinander, der die Landschaft mit begradigten Wasserläufen, gepflasterten Uferböschungen und monströsen Autobahn-Knoten verkehrsgerecht, aber menschenfeindlich macht. 

Rainer, Roland: Baukultur. Landschaft, Ortsbild, Stadtbild. Wien (u.a.): Böhlau-Verl., 1990. 95 S. DM 38,20 1 sFr 32,40 1 öS 298