Der Unternehmensberater Ulrich Eggert hat sich mit seinen Büchern ”Megatrends im Verkauf" und ”Konsumententrends" auch als Trendforscher einen Namen gemacht. Zwar räumt er ein, daß sich die Zukunft nicht berechnen läßt, versucht aber zumindest die Rahmenbedingungen bis zum Jahr 2010 zu skizzieren. Es wird nämlich - und hier tönt Eggert wie die geschäftstüchtigen Trendgurus - in einer Zeit unerwarteter gesellschaftlicher Umbrüche immer notwendiger, "Trends frühzeitig zu erkennen und in strategische Maßnahmen umzusetzen" (S.49). Mit Blick auf den Handel gilt es zunächst die Prognosen für den Arbeitsmarkt zu sondieren und mit Blick auf die ”Konsumentenbedürfnisse" Marketingstrategien zu entwickeln. Für Deutschland erwartet der Autor in den nächsten Jahren jedenfalls eine harte Zeit mit z.T. extrem hoher Arbeitslosigkeit. Erst nach 2000 ist ein verstärkter Dienstleistungsboom abzusehen, der die Arbeitslosigkeit, einhergehend mit zurückgewonnener Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, auf ein "erträgliches Maß" zurückführen wird. 

Kritik übt Eggert am gegenwärtigen Marketing, das häufig am Kaufverhalten vorbeigeht. Als wichtige Konsumententrends werden, nachzulesen auch in einer Reihe aufmerksamkeitsheischender Publikationen zum Thema, Unsicherheit und Unberechenbarkeit der Wunsch nach Originalität, Sinnsuche sowie Zeitknappheit und die Nachfrage nach Service ausgemacht. Der Autor sieht vor allem drei Strategie-Alternativen für den Einzelhandel im Jahre 2010: die Preisstrategie (Niedrigpreis einer Ware auf Basis absoluter Leistungseffizienz), die Convenience-Strategie (Bequemlichkeit und Serviceleistung) sowie die Strategie der Erlebniswelten. An Bedeutung gewinnen auch strategische Allianzen in Form von Verbundgruppen und Vertriebskooperationen auf internationaler Ebene sowie Kooperationen von Handel und Industrie in Form des ”Efficient Consumer Response" (ECR).

Kooperationen werden nach Ansicht Eggerts überhaupt die einzige Möglichkeit sein, gegen die Konzentration der Großen (v.a. in der Lebensmittelbranche) zu bestehen. Durchsetzen wird sich das Franchising, verstanden als vertikal-kooperatives Absatzsystem zwischen rechtlich selbständigen Partnern auf der Basis eines vertraglichen Dauerschuldverhältnisses. Ein weiteres mitentscheidendes Kriterium für den Erfolg sieht Eggert in der "Kraft der Marke".

Insgesamt zählt bei Eggert nur Optimismus und Kapitalismus pur nach dem Motto "der Pessimist ist der einzige Mist auf dem nichts wächst': Daß der Handel immer weniger auf Konsumbedürfnisse reagiert, sondern diese - natürlich in ureigenstem, wenngleich kurzsichtigen Interesse - mit zunehmend aggressiven Methoden weckt wird in diesem Zusammenhang nicht angesprochen.

A.A. 

Eggert, Ulrich: Der Handel im 21. Jahrhundert. Düsseldorf (u.a.): Metropolitan-verl., 1998. 230S., DM 78,- / sFr 77,- / öS 569,-