Während wissenschaftliche Spezialisierungen und eine "neue Unübersichtlichkeit" ständig zunehmen, versucht der Autor einen Vermittlungsprozess im Spannungsfeld zwischen der Begründung ethischer Normen und ihrer Durchsetzung zu initiieren. Ausgangspunkt ist die von K.O. Apel begründete Transzendentalpragmatik,der es darum geht, ethische Normen nicht nur zu behaupten oder konsensuell festzulegen (Gesinnungsethik). sondern tatsächlich rational zu begründen (Verantwortungsethik). Witzany rekonstruiert diese Methode und weist jene ethischen Normen auf, die in jedem vernünftigen Gespräch immer schon von den daran Beteiligten vorausgesetzt werden, selbst bei der Bestreitung dieser Normen. Sodann macht der Autor dieses Normenbegründungsverfahren für eine ideologiekritisch verfahrende Sozialwissenschaft dienstbar und verdeutlicht dies an der Sozialpsychologie Erich Fromms. Das führt zu einer normativen Gesellschaftskritik am "technokratischen Faschismus", der schönen neuen Welt anonymer Gesellschaftsplaner. Als konstruktiven Ausweg aus dieser verplanten Einfalt sieht Witzany die personale, kreative Vielfalt in der Praxis einer "Kunst des Lebens", die er am "erweiterten Kunstbegriff" von Joseph Beuys verdeutlicht. Dies scheint der hoffnungsvollere Weg einer Normendurchsetzung als der autoritär technokratische.

Witzany, Günther: Transzendentalpragmatik und Exsistenz. Normenbegründung - Normendurchsetzung. Essen: Die Blaue Eule. 1991. 179 S, DM 48,-1 sFr 40,701 öS 374,40