Es passiert bei Gott nicht alle Tage, dass die Begriffsbildung eines Soziologen einen festen Platz im Lexikon der Alltagssprache behaupten kann. Und doch ändert es an der Befindlichkeit unserer Zeit wenig, wenn Fortschrittskritiker, Politiker, Journalisten und Manager von Risikogesellschaft sprechen, aber doch in gewohnter Weise ihren Geschäften nachgehen. Nach wie vor ist der "Verdrängungswettbewerb der Großrisiken" in vollem Gange: es gehört zur profitfördernden Routine, Alternativen anzuschwärzen, ist weitum wissenschaftlich-technische Praxis, "die Welt zum Labor zu machen" und neue Verfahren erst einmal einzuführen, um -  mehr der Not als der Vernunft gehorchend - in der Folge nachzudenken und nach-zu sorgen.   Die "künstlich erzeugten Selbstvernichtungsmöglichkeiten" unserer Zivilisation haben eine neue Dimension erreicht, da sie weder einzugrenzen noch zuzurechnen und daher auch nicht zu versichern sind. Mit sprachlicher Virtuosität weist Beck auf die" Enteignung der Sinne" durch Atom-, Gentechnik und Mikroelektronik hin, belässt es aber nicht bei der Analyse, sondern zeigt v.a. im einleitenden (eigens für diesen Band verfassten) Beitrag risikoverringernde Handlungsperspektiven auf: Um der "legalisierten Normalvergiftung" durch Politik, Wissenschaft und Wirtschaft entgegenzuwirken, ist die Etablierung öffentlicher Kontrolle unabdingbar. Der Ablösung des Feudal- durch den Wohlfahrtsstaat im 19. Jh. ist nun die Schaffung eines „Sicherheitsstaates" auf demokratischer Basis als historisch gleichwertige Herausforderung an die Seite zu stellen.

Es ist hoch zu veranschlagen, dass neben den bisher nur erschwert zugänglichen Essays des Autors auch der Diskussion seiner Thesen in 14 Beiträgen ebenso kompetenter wie prominenter Autoren breiter Raum gegeben wurde. Es geht nicht länger um Begriffe, sondern um notwendige Konsequenzen, eher heute als morgen. 

 

Beck, Ulrich: Politik in der Risikogesellschaft. Essays und Analysen. Mit Beitr. v. Oskar Lafontaine ... Frankfurt.: Suhrkamp 1991.435 S. (st; 1831) DM 20,-/sFr 16,90/öS 156