Wieder einmal macht sich ein Autor auf die Suche nach entscheidenden Fehlern im gesellschaftlichenökologischen Getriebe. Lorenzo Pinna, der bekannte italienische Wissenschaftsjournalist, geht fünf Möglichkeiten des Weltuntergangs nach, die seiner Ansicht nach ebenso als Wege betrachtet werden können, die Beziehungen der Menschen zu ihrer unmittelbaren Umwelt und dem Kosmos zu begreifen. Drei seiner Hypothesen handeln von den Gefahren durch die außerordentliche Vermehrung unserer Art (weltweite Epidemien durch immer resistenter werdende Viren und Bakterien, Atomkriege und Umweltkatastrophen, zwei von Bedrohungen, die vom Kosmos ausgehen könnten (Schicksal der Sonne, Kollision mit Asteroiden). Das Szenario für ein mögliches Ende durch einen neuen "Super-Ebola-Virus" mündet in dem Vorschlag, ein weltweites Überwachungsinstitut, eine Art FBI für Seuchenkrankheiten, zur Frühwarnung bzw. Bekämpfung einzurichten. Ausführlich beschäftigt sich der Autor mit der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts des Schreckens durch die neuen Atommächte. Dabei geht es v. a. um die Abschätzung der Gefahren, die durch die Auflösung der Sowjetunion entstanden sind und die Risiken infolge des Versuchs, das Konzept der westlichen Demokratien global zu etablieren. Die Untersuchung der Bedrohungen, die aus dem All kommen könnten, zeigt, daß die Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe durch den Aufprall eines Asteroiden oder Kometen relativ gering ist und auch die Sonne erst in etwa fünf Milliarden Jahren erlöschen wird. Die Umweltzerstörung, so die wohl realistischste und zugleich auch gefährlichste These, wird, wenn keine grundlegenden Veränderungen Platz greifen, so der Autor, "den ,Blauen Planeten' Erde in eine zerstörte und staubige, mit Müll übersäte Peripherie verwandeln, auf der es nur noch Parkplätze und ein ununterscheidbares Gewimmel  von menschlichen Wesen gibt". 

Letztlich sieht Pinna auch seine düstersten Visionen als Aufruf und Ansporn zur Veränderung. Insgesamt geht es heute darum, die Weichen für das nächste Jahrtausend zu stellen, denn wir sind es, "die wir mit unseren Entscheidungen, unserer Kurzsichtigkeit oder unserer Weitsicht, diese Zukunft jeden Tag schaffen ". A. A.

 

Pinna, Lorenzo: Fünf Hypothesen zum Untergang der Welt. München: DTV 1996. 253 S., DM/ sFr 19,90/ÖS 147,-