Der Autor weist sich in seiner Abhandlung als pragmatischer Konservativer aus, dessen Denken und Handeln auf dem christlichen Menschen- und Weltbild gründet. Und deshalb, so Späth, sei er Optimist, auch was die Lösung der drängenden Menschheitsprobleme angeht. Zu allen Zeiten habe der Mensch in die Umwelt zerstörerisch eingegriffen, das Thema Mensch und Umwelt sei daher eines der unendlichen Themen der Menschheitsgeschichte. Allerdings steigerten die Möglichkeiten des „homo technicus" das Zerstörungspotential ins Unermessliche. Vor allem zwei "Webfehler" unseres Lebens und Wirtschaftens sind nach Späth als Grundirrtümer die Ursache der drohenden ökologischen Katastrophe: der Denkansatz, den Menschen als außerhalb der Natur zu betrachten sowie der Versuch, den unendlichen' Bedarf einer auf Dauer Wohlstand beanspruchenden Menschheit mit endlichen Ressourcen zu befriedigen. Als Ausweg aus diesem Dilemma schlägt Späth die Ausrichtung des marktwirtschaftlichen Instrumentariums auf ökologische Zielsetzungen hin vor. Durch Internalisierung externer Kosten soll Umweltzerstörung verteuert, umweltschonendes Verhalten dagegen verbilligt werden. Mit Ausnahme seines Plädoyers für die Kernenergie, werden die Aussagen des Autors die meisten Umweltschützer sicherlich erfreuen. Allerdings bietet" Natur und Wirtschaft" dem Kundigen nichts Neues. Zu fragen ist hingegen, weshalb Späth nicht schon zu seiner Zeit als Regierungschef in Baden-Württemberg seine Einsichten entschlossener in politisches Handeln umgesetzt hat. Schließlich bleiben Zweifel, ob Späth wirklich das Wesen der Ökologie erkannt hat, oder ob er sich nicht lediglich der Ökowelle bedient, um sich durch das Schreiben eines Buches etwas Kurzweil im tristen Alltag eines Politpensionärs zu verschaffen. "Nicht Partnerschaft mit der Natur, sondern Herrschaft über die Natur, das ist der Auftrag des Menschen und seine einzige Überlebenschance ", schreibt Späth auf Seite 39. Also doch Hierarchie statt Vernetztheit? E.H. 

Späth, Lothar: Natur und Wirtschaft. Zur Zukunft der ökologischen Industriegesellschaft. Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Verl., 1992. DM 39,80/ sFr 33,70/ öS 310,40