Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von "Analytische Handlungstheorie" (stw-Bände 488/89) haben sich Herausgeber und Verlag erneut zu einer Publikation von Beiträgen aus dem Bereich der analytischen Philosophie entschlossen. Die jetzt vorliegende zweibändige Aufsatzsammlung ist das Ergebnis der Referate, die auf der Tagung" Moralisches Denken". (Saarbrücken/Saarlouis 1990) gehalten wurden. Im Mittelpunkt dieser Beiträge steht das Schaffen des Philosophen Richard M. Hare (geb. 1919). Die Aufsätze sind auch ohne die genaue Kenntnis von Hares Werken verständlich, ein darüberhinausgehendes Studium von Hares Schriften ist aber empfehlenswert. Hare nahm während des Kongresses die Gelegenheit wahr, auf die Einwände gegen Elemente seiner Theorie des Universellen Präskriptivismus zu antworten. Diese Auseinandersetzung ist ein intellektuelles Vergnügen. Spätestens hier muß aber die Frage erlaubt sein, ob die Aufsätze eine Bedeutung für zukunftsorientiertes Arbeiten haben. Zumindest für die Auseinandersetzung mit anderen ist sie zu bejahen. So behandelt Christoph Fehige in seinem scharfsinnigen Aufsatz" Über das große Unglück der kleineren Zahlen" das Verhältnis von Utilitarismus und Entscheidungstheorie. Erfrischend ist, daß Fehige sich auf eine Grundlagendiskussion einläßt. Er hinterfragt u. a. zwei Axiome der Spieltheorie. Ein Zurück-zu-den-Wurzeln ist s. E. sehr wichtig, da heute geradezu in inflationärem Ausmaß entscheidungstheoretische Modelle als Erklärungsversuche zu gesellschaftlichen Zusammenhängen' unreflektiert verwendet werden. Analytische Philosophie ist Geschmackssache. Ein gewisses Verständnis der mathematischen Formelsprache bleibt für die Auseinandersetzung mit ihren Ideen eine unabdingbare Voraussetzung. Wer aber diese Art des Philosophierens für sich erschlossen hat oder erschließen will, wird die Aufsätze als wertvolle Diskussionsbeiträge empfinden und sich der anspruchsvollen Lektüre stellen. K. W. 

 

Zum moralischen Denken. Hrsg. v. Christoph Fehige ... Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1995. 854 S.