Bereits 1990 hat Küng sein "Projekt Weltethos" vorgelegt (in Deutschland 100 000 verkaufte Exemplare). in dem er - auch angesichts der nach wie vor herrschenden Legitimation von gewalttätigen Konflikten durch religiöse Repräsentantinnen - die Forderung nach einem alle Menschen umfassenden Ethos erhob. Gefragt ist also ein Grundkonsens über gemeinsame Werte, Haltungen und Maßstäbe, die alle Menschen gleich welcher Religion, Ideologie oder Nation - in ihren eigenen Traditionen wiederfinden können. Im vorliegenden Sammelband (gleichsam das Lesebuch zum "Projekt") finden sich die Erklärung zum Weltethos, die vom Parlament der Weltreligionen (September 1993, Chicago) verabschiedet wurde, verschiedene Beiträge und "Zeugnisse" namhafter oder unbekannterer Repräsentantinnen der Politik (Richard v. Weizsäcker, Helmut Schmidt, Mary Robinson) und Kunst (Yehudi Menuhin) wie auch der Religionen, z. B. des Jerusalemer Bürgermeisters Teddy Kollek, der" bei seiner Amtstätigkeit persönlich die Notwendigkeit, ja Dringlichkeit eines solchen Projekts erfahren hat", der mit Elie Wiesel u. a. für das Judentum spricht. Unter den christlichen Stimmen sind Bischof Tutu, Kardinal König, Patriarch Bartholomäos I. und der Erzbischof von Canterbury, George Carey, vertreten. Repräsentantinnen des Islam, Buddhismus und Konfuzianismus machen den Sammelband zu einem repräsentativen Querschnitt aus teils theologisch oder politisch, teils sehr persönlich gehaltenen Beiträgen zum Projekt" Weltethos ", das erst begonnen hat. Noch viel Engagement und Dialogarbeit wird nötig sein, um die "vier unverrückbaren Weisungen" (Kultur der Gewaltlosigkeit, Solidarität, Toleranz und Partnerschaft/Gleichberechtigung) global verbindlich zu machen. PA. 

Ja zum Weltethos. Perspektiven für die Suche nach Orientierung. Hrsg. v. Hans Küng. München (u.a.) Piper, 1995. 319S.