Die Klage über die Unbotmäßigkeit der Jugend reicht bis in die Antike zurück und ist seither zu allen Zeiten, wenn auch in unterschiedlichen Erscheinungsformen, aktuell geblieben. Heute bewegt die Öffentlichkeit vor allem die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen. Dass es aber nicht damit getan ist, sich Gedanken darüber zu machen, wie man dem Phänomen als Symptom begegnet, machen P.U. Wendt und seine Co-Autoren evident. Natürlich gibt es nicht die Jugendlichen, sondern verschiedene Gruppen wie z. B. die "Wohlstandsverwahrlosten", die sozial durch eigene oder der Eltern Arbeitslosigkeit Benachteiligten, nicht-deutsche Jugendliche u. v. m.

Auf jeden Fall ist die Infrastruktur der Heranwachsenden zu verbessern. Dies umfasst kindgerechte Wohnungen, kinderfreundliehe Wohnanlagen (Spielplätze, Begegnungsmöglichkeiten für Jugendliche), optimierte Angebote an Tages-Betreuungseinrichtungen, Hilfen an den Schnittpunkten der Ausbildungswege, vor allem beim Übergang von der Schule ins Berufsleben. Bei all diesen Maßnahmen muss in Zukunft auch ganz wesentlich die Meinung der Kinder und Jugendlichen eingeholt und berücksichtigt werden. Die dazu vorhandenen Ansätze in der Bundesrepublik Deutschland in Kommunalregierungen und Parlament (Kinderkommission) sollten ausgebaut und verfassungsrechtlich fixiert werden. Und wie begegnet man Jugendlichen, die nicht in den Genuss dieser Verbesserungen kommen konnten? Wendt entwirft ein Konzept der „unaufdringlichen Jugendarbeit", die den Jugendlichen in seiner Situation als autonome Person ernst nimmt und ihm Unterhaltungs- und prinzipielle Orientierungsmodelle anbietet, ohne diese als Zwangsbeglückung zu vermitteln.

S. Sch.

Jugend ohne Chance? Hrsg. v. Peter Ulrich Wendt ... Marburg: Schüren, 1994. 168 S., DM 28,- / sFr 25,80/öS 219