Wichmann, studierter Volkswirt und nach Praxis bei der EG in Brüssel nun als freier Wirtschaftsautor für überregionale Zeitungen tätig, analysiert in diesem Buch den Drogenmarkt. Er beschreibt den Weg der Rauschgifte vom Produzenten bis zum Konsumenten: die Situation in den Anbauländern, wo verschuldete Kleinbauern von Drogenbaronen abhängig sind; die Drogenindustrie und den Drogenhandel, beherrscht von Syndikaten, die nach internationalen Strategien agieren und zur Zeit den Osten Europas "aufzuschließen" im Begriff sind, aber auch die dunklen Kanäle zwischen Drogenprofiten und der Terror- und Rüstungsszene; und schließlich die Situation in den Abnehmerländern mit ihren geschätzten 50-70 Millionen Drogenabhängigen weltweit. Angesichts des Fehlschlags von Drogenprohibition; der durch spektakuläre einzelne "Fahndungserfolge" nicht verdeckt werden kann, plädiert Wichmann für eine Legalisierung der Drogen bei gleichzeitiger verstärkter Aufklärung, Beratung und Kontrolle als einzige Lösung mit Zukunft. Damit würden die Profitmöglichkeiten des Drogenhandels   schlagartig zusammenbrechen und eine Situation wie bei den "anerkannten" Zivilisationsdrogen Alkohol und Nikotin herbeizuführen sein. Wichmanns Darstellung verrät Detailkenntnis und bietet solide Information unter Einbeziehung von Tabellen, Statistiken, Diagrammen und Landkarten. Die Analyse der Anbauländer bezieht auch gesamtgesellschaftliche Aspekte mit ein; was leider bei der Beschreibung der Abnehmer zu kurz kommt: Die Frage, warum eine offenbar kranke Gesellschaft nach Drogen verlangt, wird nur erwähnt; daher bleibt auch Wichmanns Lösungsvorschlag innerhalb eines marktwirtschaftlichen Denkansatzes und dringt nicht zu tieferliegenden Ursachen vor. Abgesehen von dieser Einschränkung ein kenntnisreiches und informatives Buch mit einem plausibel vorgetragenen Lösungsmodell. M. R.

Wichmann, Stefan: Wirtschaftsmacht Rauschgift. Frankfurt/M.: Fischer TB-Verl., 1992. 181 S. (Fischer Wirtschaft), DM 16,90/ sFr 14,30/ öS 131,80