Bénédicte Savoy

Who Owns Beauty?

Ausgabe: 2026 | 4
Who Owns Beauty?

Wem gehört Kunst? Dieser Frage geht Bénédicte Savoy im Buch „Who owns beauty“ nach. Die französische Kunsthistorikerin ist Professorin für Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin. Im vorliegenden Werk skizziert sie die Reise von neun Kunstwerken, darunter die Büste der Nofretete, Raffaels Sixtinische Madonna, das Portrait der Adele Bloch-Bauer von Gustav Klimt sowie die bronzenen Köpfe aus dem Sommerpalast in Peking. Die dargestellten Kunstwerke waren auch, aber nicht immer, Gegenstand von Kunstraub, oftmals sind legale Verkäufe der Hintergrund ihrer vielen Aufenthaltsorte. Dennoch ist die Frage, wem beziehungsweise welcher Region oder Kultur das Kunstwerk gehört, nicht immer eindeutig zu beantworten, wie der Fall der Sixtinischen Madonna von Raffael zeigt. Dieses Werk ist in Piacenza, Italien, entstanden und hing dort auch jahrhundertelang in der Klosterkirche San Sisto, bis das Kloster es 1750 aus finanzieller Not nach Dresden verkaufen musste. Den Zweiten Weltkrieg überstand es in Deutschland, wurde danach jedoch von der Roten Armee als Kriegstrophäe nach Moskau gebracht. Dort diente die Madonna Propagandazwecken und viele Menschen identifizierten sich stark mit dem Kunstwerk, bevor es 1956 nach Dresden zurückkehrte. Dass die Restitution von Kunstwerken auch als politisches Druckmittel genutzt wird, zeigt das Beispiel der bronzenen Tierköpfe aus dem Sommerpalast in Peking. Diese wurden während des Zweiten Opiumkrieges von französisch-englischen Truppen geraubt und teils auf dem privaten Markt verkauft, bis 2009 einige der Köpfe beim Auktionshaus Christie's wieder auftauchten. Als China die Rückgabe forderte, antwortete Frankreich mit einer politischen Bedingung: Erst bei Anerkennung der Menschenrechte und Freigabe Tibets würden die Köpfe zurückgegeben. Kunst sei, so die Begründung, ein Produkt der Freiheit und müsse in Freiheit verbleiben. Im Jahr 2013 wurden schließlich zwei Tierköpfe zurückgegeben, diesmal jedoch nicht aus moralischer Überzeugung, sondern um diplomatische Beziehungen und den Kunstmarkt zu stärken. Das Buch versteht sich folglich als Kritik am bestehenden System und schafft durch die diversen Beispiele ein großes Bewusstsein für die bestehenden Machtasymmetrien im Kunstbetrieb. Die abschließend vorgestellte Unterscheidung zwischen „property“ (legales Eigentum) und „possession“ (Besitz) bietet zwar Begriffe zur vertiefenden Diskussion, allerdings dient es kaum als Lösungsansatz, solange sich Museen und Verantwortliche im globalen Norden diesen Ungerechtigkeiten nicht widmen.