Vier Bücher. Vier Themen.

Ausgabe: 2026 | 2
Vier Bücher. Vier Themen.

Ruben Zimmermann: Warum weniger gut sein kann. Eine Ethik des Verzichts

„Warum weniger mehr sein kann“ erläutert Ruben Zimmermann, indem er die Perspektive auf Verzicht verändert. Anstatt ihn als Verbot, Einschränkung oder Verlust zu begreifen, versteht er Verzicht als Ausdruck von Selbstbestimmung, Freiheit und Gewinn. In dieser Haltung liegt das Potenzial für mehr Lebensqualität, geprägt von innerer Ruhe, Einfachheit und Achtsamkeit. Bewusst Maß zu halten kann helfen, sich der Konsum- und Leistungsgesellschaft sowie der Überforderung durch Überfluss zu entziehen oder diese kritisch zu hinterfragen. So entsteht Raum für mehr soziale Gerechtigkeit, Gemeinsinn und Nachhaltigkeit. Miriam Nichtl

Reclam Verlag, Stuttgart 2025 · 120 Seiten

 

Laura Spinney: Der Urknall unserer Sprache

„Seit Bestehen der Menschheit haben Sprachen nie aufgehört, einander gegenseitig aufzunehmen und zu verändern“ (S. 286), erklärt die Wissenschaftsjournalistin Laura Spinney und zeichnet entsprechend nach, wie sich Sprachen in den letzten 5.000 Jahren verändert haben. Dabei konzentriert sie sich auf die so genannte indoeuropäische Sprachfamilie, zeigt, wie das überhaupt geht, Sprache zu erforschen, die ausgestorben und nicht schriftlich dokumentiert ist: Mit den Methoden der historischen Linguistik, der Archäologie, der Genetik; einem interdisziplinären Zugang also, der Sprachgeschichte, kulturelle Entwicklungen und Erbgut in den Blick nimmt. So lässt sich die sprachliche Vergangenheit der Menschen nachzeichnen. Und im Zuge aktueller Krisen und Veränderungen lässt sich in die Zukunft blickend auf jeden Fall sagen: „sprachlich gesehen wird die Welt wohl kaum dieselbe bleiben“ (S. 285). Katharina Kiening

Aus dem Englischen von Stephanie Singh. Hanser Berlin, Berlin 2025 · 336 Seiten

 

Zhao Tingyang: The Whirlpool That Produced China. Stag Hunting on the Central Plain

Fünf Jahre nach dem viel beachteten Essay Alles unter dem Himmel liegt nun ein weiteres Werk des chinesischen Philosophen Zhao Tingyang in Übersetzung vor. Der schmale Band ist mit einer hilfreichen Einleitung des renommierten Sinologen Roger T. Ames versehen. Dabei entfaltet Zhao mit großem Anspruch und spiritueller Überzeugungskraft Zhao die Idee, dass sich die Welt wie in einem Strudel um China zentriere. Nicht als Machtbehauptung im westlichen Sinne, sondern als metaphysisch begründetes Ordnungsprinzip. Ein aufschlussreicher Text, gerade in einer Zeit, in der geopolitische Verschiebungen uns zwingen, über die kulturellen Grundlagen einer sich im Wandel verstandenen Weltordnung neu nachzudenken. Stephan Renker

Aus dem Chinesischen von Edmund Ryden. State University of New York Press · 162 Seiten

 

Katy Hessel: How to Live an Artful Life. 366 Inspirations from Artists on how to Bring Creativity to Your Everyday

Die Kunsthistorikerin und Kuratorin Katy Hessel schrieb 2022 mit „The Story of Art Without Men“ einen Bestseller, der den Schwerpunkt auf Künstlerinnen legte, die nicht oder kaum im öffentlichen Diskurs vorkommen. Mit „How To live An Artful Life“ bietet Hessel nun eine andere Form des Lesens, ein Lesetagebuch, wenn man so möchte: Ein Jahr begleitend, finden sich 366 Einträge mit Zitaten, Denkanstößen, Kunstwerken. Eine inspirierende Zusammenstellung, die vor allem eines erreichen will: „In a world built to distract us, let’s find the time and space to pay attention and live artfully, day by day“ (S. 3). Katharina Kiening

Hutchinson Heinemann, London 2025 · 352 Seiten