Fernab der Begriffsinflation in Sachen Ökologie verdient die hiervon der in München tätigen Analytikerin in Grundzügen vorgelegte „Psycho-Ökologie der Gewalt" besondere Aufmerksamkeit. Nicht nur der im besten Sinne interdisziplinäre und eminent politische Ansatz, mit dem Bauriedl Anliegen der Partner- und Familientherapie, der Friedensforschung und der Analyse struktureller Gewalt mit Forderungen nach einer "sanften Technik" und nachhaltigen Wirtschaft zu verbinden weiß, ist bestechend; auch überzeugt die Klarheit der Darstellung, die es auch Außenstehenden erlaubt, der vielfach unorthodoxen, aber gerade deshalb einleuchtenden Argumentation zu folgen. Die Autorin definiert den ihr zentralen Begriff "Feindbild" als Beziehungsform, die im familiären wie im gesellschaftlichen Bereich dazu dient, Angst zu reduzieren und Bündnispartner zu finden, indem ein Teil der Welt durch Grobrasterung in "Gut" und "Böse" ausgeblendet wird. Eltern besetzen auf diese Weise die "Ichgrenzen" ihrer Kinder, und der "deutsche Volkscharakter" neigt dazu, Minder- bzw. Überwertigkeitsphantasien auf "den Fremden" als Sündenbock zu projizieren, anstatt auf der Suche nach einer neuen Selbstdefinition eine "Stärke der Mitmenschlichkeit" zu entwickeln. Ob es die Analyse inzestuöser Gewaltstrukturen, die Offenlegung von Macht- und Wachstumsphantasien als Süchte oder aber die Kritik des „Totschlagsprinzip der Mehrheitsbildung" ist, überall macht die Autorin "Gewalt" als "Ausdruck des fehlenden Gesprächs" aus. Um hier gegenzusteuern, plädiert sie für "aktiven Pazifismus", der sich vor allem um die Auflösung der Sprachlosigkeit (auch mit Hilfe Dritter) bemüht und Konfliktbereitschaft kultiviert, denn" vermiedene, nicht ausgetragene Konflikte führen zu Krieg". Anstatt nach tradiertem Rollenverhalten "zuzuschlagen" oder "wegzulaufen", sind die Bereitschaft zu Auseinandersetzung und Toleranz (vor allem sich selbst gegenüber) glaubwürdige, aber keineswegs leicht zu gehende Wege in Richtung einer friedfertigeren Zukunft. W Sp.

Bauriedl, Thea: Wege aus der Gewalt. Analyse von Beziehungen. Freiburg i. Br. (u. a.l: Herder, 1992. 186 S. (Herder Spektrum; 4129) DM 16,801sFr 14,201 öS 131,