Visionen der Zukunft hängen immer mit dem Kontext, den Aktivitäten und Anliegen derer zusammen, die diese Visionen entwickeln. Positivistische Verhaltenswissenschaft und quantifizierende Vorhersagemethoden sind dabei wenig hilfreich. Warren Ziegler, gegenwärtig Präsident der Future-Inventing Associates in Denver, Co./USA., baut in diesem Artikel auf Zukunftsstudien auf, die am Forschungszentrum für Bildungspolitik in Syracuse Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre durchgeführt wurden (wo er Co-Direktor war) und plädiert für eine neue - und gleichzeitig sehr alte Methode der Annäherung an die Zukunft. Einige Beispiele für Zukunftsvisionen: die Entwicklung eines neuen Stadtplans, die Planung der Strategie eines Unternehmens, die Artikulation einer wünschbaren Zukunft des Bildungswesens durch eine Gruppe Lehrer. Einige geistige Vorläufer: Gabors "Die Zukunft erfinden", die "Mutmaßungsforen" von de Jouvenel, die "Gewissensbildung" Freires. Polaks "soziale Phantasie" und Deweys Glaube an die "demokratische Erfahrung". Einige Grundsätze: Die Zukunft ist kein Bereich des Wissens, sondern einer der Aktion; "Zukunft ist eine Metapher für die menschliche Phantasie" und beginnt mit entIernen; die Teilnehmer an einer Visionswerkstatt bilden eine Gemeinschaft Lernender. Die fünf Phasen bei der Entwicklung einer Vision: Erkennen der Anliegen, konzentrierte Veranschaulichung unwiderstehlicher Visionen, Erarbeitung gemeinsamer Visionen, Verbindung der Zukunft mit der Gegenwart, Suche nach Strategien und Aktivitäten, die in die Zukunft führen. Der Prozess ist den von Robert Jungk in Europa initiierten „Zukunftswerkstätten" sehr ähnlich.

(Aus derselben Ausgabe von "Futures" sind noch zwei andere themenverwandte Beiträge erwähnenswert: Richard A. Sloughters "Changing Images of Futures in the 20th Century" 499-515 und Elise Bouldings .The Challenge of Imaging Peace in Wartime" 528-533). 

 

Warren Ziegler: Envisioning the Future. In: Futures 23/5, Juni 1991, S. 516-527. (= Visionen für die Zukunft entwickeln)