Vier Bücher. Vier Themen.

Ausgabe: 2026 | 1
Vier Bücher. Vier Themen.

Laura Wiesböck: Digitale Diagnose. Psychische Gesundheit als Social-Media Trend

Soziologin Laura Wiesböck schreibt über psychische Gesundheit als Social Media Trend, also über die Verhandlung von psychiatrischen Diagnosen an Orten der (nach Ismene Wyss) „vermeintlichen Realitätsvermittlung“. Die Autorin benennt das Potenzial Sozialer Medien im Kontext pädagogischer Vermittlung und Bewusstmachung von psychischen Erkrankungen an sich, beleuchtet darauf aufbauend kritisch Grenzen zwischen Bewusstmachung und Verherrlichung, Gefühlsbekundungen und Pathologisierung, weist auf Verbreitung von falschen und einseitigen Informationen hin, auf eine Popularisierung von psychiatrischen Diagnosen. Katharina Kiening

Zsolnay Verlag, Wien 2025 · 176 Seiten

 

Laura Domes · Steven Gonzalez Monserrate ·Ina Neddermeyer · Tim Pickartz · Julia Schubert (Hg.): Fixing Futures. Planetare Zukünfte zwischen Spekulation und Kontrolle

Über Klimawandel und seine Auswirkungen auf unsere Zukunft handelt dieser Katalog, der begleitend zur Ausstellung „Fixing Futures“ des Museums Giersch der Goethe-Universität Frankfurt am Main entstand. Zweisprachig und reich bebildert geht es darum, verschiedene Dimensionen des Modellierens von Zukünften, des Nachdenkens über Zukünfte und des Imaginieren von Zukünften abzubilden“ (S. 22), wie es Mitherausgeberin Laura Domes beschreibt. Herausforderungen werden benannt, wissenschaftliche Erkenntnisse mit künstlerischen Perspektiven in Beziehung zueinander gesetzt, Fragen nach den Möglichkeiten alternativer Zukünfte aufgemacht. Katharina Kiening

Neofelis, Berlin 2025 · 160 Seiten

 

Ulli Lust: Die Frau als Mensch. Am Anfang der Geschichte

Mit „Die Frau als Mensch“ entwirft Ulli Lust eine Graphic Novel, die Urgeschichte, Archäologie und Feminismus verbindet. Sie führt die Lesenden zu figürlichen Darstellungen der Steinzeit, in denen Frauen über Jahrtausende hinweg präsenter waren als Männer – nicht als Archetypen, sondern als komplexe Menschen. Lust hinterfragt das Bild vom männlichen Helden als universal gültiges Prinzip und beleuchtet wie Gemeinschaft, Kunst und Geschlecht in frühzeitlichen Kulturen verhandelt wurden. Ihr Werk öffnet einen neuen Blick auf die Anfänge der Menschheit: klug, ästhetisch, unverzichtbar. Yalda Hannah Franzen

Reprodukt Verlag, Berlin 2025 · 256 Seiten

 

Rebecca Solnit: Hoffnung in der Dunkelheit. Unendliche Geschichten, wilde Möglichkeiten

„When you don’t know how much things have changed, you don’t see that they are changing or that they can change“, schreibt Rebecca Solnit in einem Gastbeitrag im The Guardian und erklärt damit die Prämisse ihre Buchs „Hoffnung in der Dunkelheit“, das zivilgesellschaftliche Bewegungen seit den 1980ern beschreibt. Vor 20 Jahren erschien das Buch mittlerweile das erste Mal, nun wird es von Matthes & Seitz neu aufgelegt. Und immer noch verfehlen die Essays nicht ihre Wirkung, wenn sie darlegen, dass zwar nicht ausgemacht ist, in welche Richtung sich etwas verändert, dass Wandel aber unabwendbar ist und wir durch aktive Beteiligung am Prozess mitwirken können. Solnit plädiert für Hoffnung in Zeiten, die überwältigend und dunkel wirken können, denn: „Hope locates itself in the premises that we don’t know what will happen and that in the spaciousness of uncertainty is room to act“. Katharina Kiening

Matthes und Seitz, Berlin 2025 · 264 Seiten