
Maja Göpel stellt in „Werte“ Fragen zu den Strukturen, Normen und Bewertungen, die unsere Entscheidungen beeinflussen und unsere Aufmerksamkeit binden. Dabei skizziert sie, was es an Werten benötigt, um in einem konstruktiven Miteinander die Zukunft zu gestalten.
Ihre Analyse beginnt die Autorin in einer Reflexion des Markts. Dabei kommt sie ausführlicher auf zwei, miteinander verbundene Begriffe zu sprechen: Wohlstand und VerWirung. Wohlstand positioniert sie zuerst als etwas nicht in Stein Gemeißeltes. Er ist in Abhängigkeit von subjektiver und situativer Gewichtung und darf deshalb nicht auf eine reine Zahlenebene heruntergebrochen werden. Mit ihm gehen Fragen nach einem guten Leben einher, die nicht nur schwer in einen mathematischen Rahmen zu gießen sind, sondern auch geflissentlich in Argumenten zur Verteidigung des wirtschaftlichen Status quo abgetan werden.
Deshalb ist es aber noch nicht unmöglich, dem guten Leben nachzugehen. Hier wird Göpels Definition der VerWirung schlagend, die sie als einen Balanceakt zwischen Ich und Wir auf der Bühne der Wirtschaft beschreibt. In ihr soll dem Gemeinwohlanspruch in einer produktiven Form nachgegangen werden, was sie zu drei Fragen führt (S. 53): Was sind die konkreten Bedürfnisse und Werte von Menschen? Welche Umstände sind zurzeit anzutreffen? Was steht uns zur Verfügung?
Formuliert man die Ergründung dieser Fragen als Aufgabe des Staats, erschließt sich damit der zweite Teil dieses Buchs, in welchem Göpel auf dessen Relevanz genauer eingeht. Sie liefert dabei Argumente für einen sowohl effizienten Staat als auch effektiven Staat die nicht in einem Abbau, sondern einem Umbau fußen und dessen Rolle als Kontroll- und Rahmenorgan zwischen Wirtschaft und Gesellschaft verankern.
Die Notwendigkeit solcher Kontrollmechanismen unterstreicht die Autorin im letzten Teil ihres Buchs, wo sie die mannigfaltigen Probleme der aktuellen Wirtschaftssituation beschreibt. Angefangen bei der Ignoranz gegenüber Externalitäten, über die Erstickung von Innovation durch Monopolbildung zeichnet ein Göpel ein Bild, das mittlerweile altbekannt ist, rahmt es aber neu ein: Wir haben Werte und Institutionen die wegbereitend für eine nachhaltige Zukunft sind. Machen wir also von ihnen Gebrauch, anstatt uns dazu verleiten zu lassen, sie abzuschaffen.








