Nicht nur der Verkehr, auch die Verkehrsdiskussion steckt, so scheint's, im Stau. Angesichts dieser Situation fanden in den vergangenen fünf Jahren am "Institut" für ökologische Wirtschaftsforschung Berlin/Wuppertal Studien statt, die in einem Konzept der "Verkehrswende" mündeten. Einer der Mitarbeiter an diesen Studien, der Diplomgeograph M. Hesse, gestaltete auf dieser Grundlage das vorliegende Buch. In den ersten Kapiteln stellt er die Ursachen für Verkehr dar und geht historisch und aus deutschem, europäischem wie globalem Blickwinkel auf die immer akutere Situation ein. Alle herkömmlichen „Lösungsversuche" sind bisher gescheitert, weil sie einäugig jeweils nur "besseres" Verkehrsmanagement und immer neue Verkehrswege bzw. -mittel im Auge hatten. Demgegenüber muß eine echte Problemlösung bei den Wurzeln ansetzen und nach Wegen suchen, Verkehr erst gar nicht entstehen zu lassen: Verkehrsarme Raumstrukturen, Nutzung neuer Kommunikationsformen, Umstrukturierung wirtschaftlicher Abläufe werden näher erörtert, eine" Mobilitätszentrale " und die" City-Logistik" als Modelle für eine neue Verkehrsorganisation vorgestellt. Was Unternehmen und staatliche Ordnungspolitik zur überfälligen" Verkehrswende" beitragen können, diskutieren zwei weitere Kapitel. Zuletzt betont Hesse noch, daß die Gestaltung der Mobilität weit über ein einziges Ressort hinausgreift und auch mit massiven psychologischen Komponenten zu rechnen hat, weil Verursacher und Geplagte im Verkehr sehr häufig identisch sind. Aber ohne Umkehr wird es nicht gehen - anders kommt man bekanntlich aus einer Sackgasse nicht heraus. W R.

Hesse, Markus: Verkehrswende. Ökologisch-ökonomische Perspektiven für Stadt und Region. Marburg: Metropolis, 1993.292 S. (Ökologie und Wirtschaftsforschung 7) DM 29,80 / sFr. 25,30 / öS 232,40