"Ein Verkehrsmittel, das 95 Prozent der ihm zugeführten Energie nicht nutzt, sondern verschwendet, paßt nicht in unsere Zeit:' So Ernst U. v. Weizsäcker pointiert im Geleitwort zu diesem auf einem Workshop "Autos der Zukunft" am Wuppertal-Institut basierenden Band. In 20 Kapiteln informieren die Wuppertal-Autoren über die ökologischen, sozialen und ökonomischen Herausforderungen an das Auto von morgen, wobei sie ausführlich und dennoch für Laien gut verständlich die technischen Möglichkeiten der Energieeinsparung (Fahrzeuggewicht, Roll- und Luftwiderstand, optimierte Antriebssysteme und Fahrweise) erläutern. Zunächst werden Zukunftskonzepte der Automobilindustrie vorgestellt - etwa der 3-Liter-Wagen von VW, der 1999 auf den Markt kommt, oder das noch in der Schublade verbleibende Konkurrenz-Modell von Opel, Corsa Eco 3, das laut Hersteller zu marktgerechten Preisen noch nicht absetzbar ist. Eine positive Ökobilanz wird dem großteils aus Recyclingaluminium hergestellten Leichtbau-Konzept von Audi sowie den Benzindirekteinspritzern von Mitshubishi mit automatischem Wechsel auf Sparmodus bei geringerer Leistungsanforderung attestiert. Weniger gut kommt der Smart von Daimler-Benz weg, der für einen Zweisitzer zu schwer und treibstoffintensiv sei.

In der Folge referieren die Autoren bislang aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen noch nicht oder nur in Ansätzen realisierte Entwicklungsvorhaben. Das Elektroauto (ein typisches Nischenprodukt) sowie die Brennstoffzelle werden hinsichtlich Ökobilanz eher skeptisch beurteilt. Äußerst gute Noten erhält hingegen das Greenpeace-Modell SMILE (Small, Intelligent, Light, Efficient) mit dem von der Schweizer Firma Swissauto Wenko AG entwickelten optimierten Antriebskonzept SAVE (Small Advanced Vehicle Engines). Was den Paradigmenwechsel im Automobilbau einleiten könnte, wird jedoch mit dem ultraleichten ”Hypercar" des US-Energievermeidungsexperten Amory Lovins beschrieben. Dieses kommt - mit einem Hybridantrieb (der Verbrennungsmotor treibt einen Elektromotor an) versehen - auf nur einen Liter Treibstoff für hundert Kilometer!

Nicht zuletzt diskutieren die Autoren Politikstrategien zur beschleunigten Marktdurchsetzung umweltfreundlicherer Autos: niedrigere Höchstgeschwindigkeiten, strengere Flottenverbrauchsregelungen mit erhöhten Maximalverbrauchsgrenzwerten sowie die stufenweise Erhöhung des Treibstoffpreises (vorgeschlagen werden 5 % für Benzin und 8-10 % für Diesel pro Jahr) sehen sie dabei als die wichtigsten Steuerungsinstrumente.

Die Autos von morgen müßten, so der Tenor der Experten, den Mobilitätserfordernissen optimal angepaßt sein, die Automobilindustrie stecke jedoch trotz aller Fortschritte im Detail noch immer "in der Sackgasse ihrer eigenen Leistungsanforderungen, was die technisch mögliche Effizienzrevolution bislang verhindert habe.

H. H.

Peterson, Rudolf; Diaz-Bone, Harald: Das Drei-Liter-Auto. Berlin (u. a.): Birkhäuser, 1998.352 S. (Wuppertal Paperbacks) DM 34,- / sFr 28,- / ÖS 248,-