Weltweit ist die Zahl der Kfz auf mittlerweile ca. 550 Mio. angestiegen. 420 Mio. davon, das sind 70%, sind in den Industrieländern Nordamerikas und Europas sowie Australien und Japan registriert. Allein in der EU hat sich die Personentransportleistung von 1970-1990 um 85% (davon 80% Pkw-Anteil) und die Güterverkehrsleistung um 60% erhöht. Interessantes Detail: Die EU-Kommission veranschlagt die externen Kosten des Landverkehrs mit bis zu 5% des Bruttoinlandsprodukts der Mitgliedsländer, wobei ca. 70% auf Unfälle und Verkehrsüberlastung und etwa 30% auf Aspekte wie Lärmemissionen und Umweltverschmutzung fallen. Das Problem: Weder im Personen- noch im Güterverkehr ist mit einer Trendumkehr zu rechnen. Für das 2020 werden weltweit über eine Milliarde Kfz prognostiziert. Die gesundheitlichen Belastungen der Menschen in den Ballungsräumen werden sich weiter zuspitzen, die hehren Klimaziele zumindest im Verkehrsbereich weit verfehlt, sollte nicht eine grundlegende Umsteuerung gelingen, daß hierfür die Verbesserung der Fahrzeugtechnik (etwa 3-Liter-Autos), aber auch eine Optimierung des Öffentlichen Verkehrs allein nicht reichen wird, machen die Autorinnen der vorliegenden Studie deutlich: Notwendig sind Strategien der Verkehrsvermeidung. So haben sie bereits realisierte Ansätze gesammelt und auf ihre Effizienz geprüft. Vorgestellt werden u.a. kommunale Versuche der Verkehrsordnung in europäischen Städten wie Amsterdam, Bologna, Zürich oder Stockholm. bundesdeutsche Beispiele wie Freiburg, Bremen oder Heidelberg sowie das Konzept der "dezentralen Konzentration" in der Wachstumsregion Groß-Berlin; ferner das Modell der niederländischen Zonenordnung, Ansätze der Mobilitätssteuerung in den USA (z B. das kalifornische ”commuters Transportation Services") sowie das Konzept geordneten Wachstums der brasilianischen 2 Millionen-Stadt Curitiba, das mittlerweile als Vorbild für viele Metropolen gilt. Besonderes Augenmerk legen die im Bereich Ökologie und Unternehmensführung tätigen Autorinnen auf Strategien betrieblichen Mobilitätsmanagement (Kooperation von Betrieben mit ÖV-Unternehmen, Mobilitätsberatung für Betriebe ...) sowie die Optimierung des Wirtschaftsverkehrs (Citylogistik, Güterverkehrszentren) Zudem werden die Möglichkeiten und Grenzen der Verkehrsvermeidung durch Teleworking (z.B. Telehäuser oder ”docking offices") sowie einer Dezentralisierung der Dienstleistungen dargelegt. Fazit der praxisorientierten Studie ist die Erkenntnis, daß ohne angemessene Bepreisung des Straßenverkehrs (sowie des Flugverkehrs) keine entscheidenden Veränderungen im Mobilitätsverhalten zu erwarten sind. Vom Roadpricing raten die Verfasser aufgrund des hohen technischen Aufwandes ab, vielmehr plädieren sie für eine spürbare Erhöhung der Mineralölsteuer etwa auf 4 DM/Liter (wobei die Kfz-Steuer aufgehoben werden könnte) oder für eine entsprechende Jahresabgabe im Verhältnis zur Fahrleistung. H. H.

Prehn, Marco; Schwedt. Birgit; Steger, Ulrich: Verkehrsvermeidung - aber wie? Eine Analyse theoretischer Ansätze und praktischer Ausgestaltungen auf dem Weg zu einer wirtschafts- und umweltverträglicheren Verkehrsentwicklung. Bern tu. e): Haupt 1997. 212 S. (Umwelt und Verkehr; 1)