Zu Beginn der Massenmotorisierung im Jahr 1957 gab es ca. 8 Mio. Fahrzeuge. Heute ist die Schwelle von 40 Mio. zugelassene Kfz in der BRD überschritten. "Bis zum Jahr 2020 wird mit einem Anwachsen des Bestandes auf 50 Mio. gerechnet", meint Ulrich Smeddinck, Mitarbeiter an der Fakultät Umweltwissenschaft und Verfahrenstechnik an der Universität, und beklagt zugleich, daß ein umfassendes Konzept für den Umbau des bestehenden Verkehrssystems nicht existiert. Ein solches müßte seiner Meinung nach aus einem differenzierten System von Steuerungselementen bestehen, um dem komplexen Sachbereich Verkehr gerecht zu werden. Deshalb steht im vorliegenden Sammelband nicht die Thematisierung einer Vielzahl von Mißständen, sondern die Therapie im Mittelpunkt. Klaus M. Meyer-Abich stellt in seiner rechtsphilosophischen Auseinandersetzung die Frage, wie das Allgemeinwohl im Spannungsfeld von versagendem Staat und hedonistischer Befriedigung individuelle Mobilitätsbedürfnisse noch geschützt werden kann. Die Lösung sieht das ehemalige Mitglied der Enquete-Kommission "Schutz der Erdatmosphäre" in der Rekultivierung der Städte. Christoph Krupp und Martin Falke untersuchen Möglichkeiten der CO2-Reduzierung, wobei auch die Chancen einer Verringerung der Verkehrsdichte und der Verkehrsgeschwindigkeit angesprochen werden. Beide neigen dazu, "diese Frage der Politik oder der Rechtsprechung zu übereignen" . Klaus Kornwachs beschäftigt sich in seinem Beitrag mit Deutungen von Peter Sloterdijk zum Thema (vgl. dazu Peter Sloterdijk: Eurotaoismus, 1989) und arbeitet die Widersprüche in der Autonutzung heraus, die den Drang zum Lustgewinn in "verbrecherische Täterschaft" verkehren. Mit Ansätzen einer neuen Rechtsgrundlage (Umweltverkehrsrecht) beschäftigt sich Edmund Brandt, der davon nicht nur eine veränderte Seinsgestaltung, sondern überhaupt einen neuen Umgang mit der Umwelt erwartet. Schließlich entwirft Rolf Kreibich einen Handlungsrahmen, in den die Bemühungen um mehr Umweltschutz im Verkehr mit Rücksicht auf die vielfältigen Wechselwirkungen zu allen Lebensbereichen integriert werden können. Für ihn ist zukunftsfähiger Verkehr nichts weniger als die "entscheidende Schlüsselgröße für eine nachhaltige Mobilität und Wirtschaftsweise". Voraussetzung dafür sind allerdings neue politische Rahmenbedingungen und eine rasch einzuführende Ökosteuer auch im Alleingang, denn, so Kreibich, "die Orientierung einer deutschen Ökosteuer am Beispiel Dänemark würde eine starke Schubkraft in Europa auslösen". A. A.

Umweltverkehr. Bausteine für eine zukunftsfähige Verkehrswelt. Hrsg. v. Ulrich Smeddinck. Taunusstein: Blottner, 1996. 226 S. (UmweltWissenschaften; 8), DM 89,-/sFr 83,60/ÖS 659