Pendlerstatistiken zeigen deutlich: Essteigen nicht nur die Anzahl und Längen der täglichen Wege zur Arbeit, sondern immer mehr davon - in Österreich sind es 6 von 10 - werden mit dem Auto zurückgelegt. Die Schadensfolgen treffen nicht nur die Umwelt sowie die Lebensqualität unserer Städte, wie die täglichen Staus zu den Spitzenzeiten zeigen, sondern - dies wird zu wenig gesehen - auch die Volkswirtschaft sowie die Betriebe selbst. Stauzeiten sind Stehzeiten, die den Berufs- und Lieferverkehr behindern, Dienstfahrten mit dem Auto werden zur kostspieligen Angelegenheit. Doch auch die Arbeitnehmerlnnen zählen zu den Verlierern: man ist mit dem Auto zwar in vielen Fällen schneller am Arbeitsplatz, muß aber die Mehrkosten für das Auto (oft wird in Familien wegen des Pendelns ein Zweitauto angeschafft) "abarbeiten". Am günstigsten fährt, wer gänzlich ohne Auto auskommt. Der vorliegende VCÖ-Band zeigt anschaulich und praxisnah auf. wie Betriebe Anreize zum Umstieg ihrer Belegschaften auf den Umweltverbund schaffen und im Rahmen des Betriebsverkehrs eine neue Firmenphilosophie umsetzen können. Dabei beeindrucken insbesondere die zahlreichen Beispiele aus dem In- und Ausland: Die Vorschläge reichen von übertragbaren Firmennetzkarten über eine fahrradfreundliche Betriebsinfrastruktur bis zur Neuregelung des Kilometergeldes, das auch für Wege zu Fuß und per Rad ausbezahlt werden soll, von vergünstigten "Jobtickets", die in Verträgen zwischen Betrieben und Verkehrsunternehmen ausgehandelt werden, über die Optimierung des Werkverkehrs (Kooperation mehrerer Firmen) bis hin zur Förderung von Fahrgemeinschaften (diese sind in manchen US-Bundesstaaten bereits obligatorisch). Auch heikle Fragen wie die Vergebührung der Firmenparkplätze sowie die Mitarbeitermotivierung zum Umstieg auf den Umweltverbund werden angesprochen, ebenso politische Gestaltungsmöglichkeiten, von der verkehrsvermeidenden Raumordnung über die betriebliche Mobilitätsberatung bis hin zur Neuordnung der Pendlerpauschalen, der Besteuerung von Gratisfirmenparkplätzen sowie verpflichtenden "Belohnungen" für jene Arbeitnehmerinnen, die auf ihr Auto "verzichten" und damit die Betriebsinfrastrukturkosten entlasten (letzteres ist seit 1993 etwa in Kalifornien gesetzlich vorgeschrieben). H. H.

Favry, Eva; Rauh, Wolfgang: Arbeitswege neu organisieren. Mobilitätsmanagement im Betrieb. Wien: VCÖ, 1997. 64 S. (Verkehr & Wissenschaft; 1/97) DM / sFr 31,- / öS 240

 

Weiterführender Literaturhinweis: Als wertvolle Ergänzung zu diesen Basisinformationen empfiehlt sich das vom VCÖ herausgegebene Mobilitätsberater-Handbuch (Wien, 1996), das im Auftrag der Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Umwelt erstellt wurde.