Zum nunmehr dritten Mal liegt der alle zwei Jahre vom Umweltministerium abzugebende Umweltkontrollbericht vor. Im ersten Band, dem Teil A wird "Die Lage der Umwelt in Österreich" aus makropolitischer Perspektive dargestellt. Anknüpfungspunkte sind dabei einerseits Umweltmedien wie Luft, Wasser und Boden, andererseits spezifische Problembereiche wie Pflanzenschutzmittel, Abfall und Radioaktivitätskontrolle. Erfreuliches und Unerfreuliches wird berichtet, wie etwa im Abschnitt über Luft: So sind die für den "sauren Regen" hauptverantwortlichen Emissionen von Schwefeldioxid weiter zurückgegangen und erreichen nur mehr ungefähr ein Viertel des Ausmaßes von 1980. Hingegen weist bei der Ozonbelastung Österreich "hohe Werte im Vergleich zu west- und nordeuropäischen Ländern" auf. und die von der Akademie der Wissenschaften vorgeschlagenen Grenzwerte "wurden an allen österreichischen Messstellen zeitweise überschritten".

Der mehr als doppelt so umfangreiche Teil B "Umweltkontrolle und Bestandsaufnahmen" enthält eine Vielzahl von Berichten über Umweltkontrollen bei Betrieben (Einzelbetriebe und Branchenanalysen) und im regionalen und lokalen Bereich, Informationen über bundesweite Bestandsaufnahmen und über die internationale Zusammenarbeit im Umweltschutz. Die betrieblichen Kontrollen sind zum Teil Zusammenfassungen bzw. Fortschreibungen einer Darstellung des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 1992 über die Umweltsituation an langjährigen österreichischen Industriestandorten, darunter die Hüttenbetriebe in Arnoldstein und Brixlegg, die Stahlstandorte Linz und Leoben-Donawitz sowie mehrere Standorte der Chemie- und Erdölindustrie.

Die betrieblichen Umweltkontrollen können als wichtige Informationsquellen für von Umweltbelastungen Betroffene und umweltpolitisch Interessierte dienen. Wenngleich Vorsicht bei der Interpretation der Zahlen angebracht ist (in manchen Fällen basieren die Daten ausschließlich auf Angaben der untersuchten Betriebe!), verleiht die Aufnahme in den Umweltbericht des zuständigen Ministeriums den Informationen einen gleichsam amtlich-offiziellen Charakter. Der selbst gestellte Anspruch, nämlich die wissenschaftliche Grundlage für jene Verantwortlichen in Wirtschaft und Verwaltung zu liefern, die über umweltpolitische Maßnahmen entscheiden, kann als bedingt erfüllt angesehen werden.

Für den umweltpolitisch Interessierten bietet der Bericht, der den Zeitraum von Mai 1991 bis April 1993 umfaßt, einen breit gefächerten und detailreichen Überblick. Das Umweltbundesamt zitiert fleißig aus eigenen Studien, als Ausgangspunkt für weiterführende Analysen wären aber in einigen Fällen detalliertere Literaturhinweise wünschenswert.

W Sch.

Umweltsituation in Österreich. Umweltkontrollbericht der Bundesministerin f. Umwelt, Jugend u. Familie an den Nationalrat, Teil A. Umweltkontrolle u. Bestandsaufnahme, Teil B.

Wien: Umweltbundesamt, 1993. 174 S. u. 607 S.