Die Schlagzeilen über Zahlungsunfähigkeit von Großschuldnern (Mexiko, Brasilien) oder die Summe von 1.000 Milliarden Dollar an internationalen Schulden geben Anlaß zur Sorge. Der Begriff "kapitalistisches Chaos" für die Beschreibung des Zustandes der internationalen Kredit- und Handelsbeziehungen ist trotzdem falsch, da er unterstellt, es gäbe nur Geschädigte (Großbanken, Schuldnerländer, Armut). Für Schui stellt sich deshalb die Frage, wer daran verdient und ob sich "hinter dem Schicksal, dem Chaos, eine Strategie, ein klares politisches Konzept" verbirgt. Er läßt von Beginn an keine Zweifel darüber aufkommen, wie die Dinge stehen. Für ihn sind die Schulden eine offensive Waffe der Gläubiger.

Diese "waren noch nie, auch gegenwärtig nicht, in einer Lage, in der sie verzweifelt versuchten, in einem großen Flickwerk ihren eigenen Ruin, den Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems abzuwenden". Das Neue ist nun, daß die Dynamik des Systems sich nicht mehr aus dem Markt allein ergibt, sondern bewußt durch die Geldpolitik der USA und die in ihrer Gefolgschaft stehenden westlichen Industriestaaten herbeigeführt wurde. Im Folgenden geht Schui detailliert auf die Geld- und Währungspolitik der USA ab 1979 ein. Das Resultat ist eine seit damals einsetzende Verknappung der Kreditversorgung. "Ausgelöst wurde die Überschuldung der Entwicklungsländer sicherlich durch die steigenden Ölpreise, vor allem aber durch die US-Zinspolitik, die den weltweiten Konjunkturabschwung verlängert und insofern maßgeblich zur Verschlechterung der terms of trade beigetragen hat." Der Zusammenhang von Ölpreiserhöhung und Auslandsverschuldung ist für Schui naheliegend, denn diesen Preissteigerungen gingen Zinssteigerungen in den USA voraus.

Vorschläge zur Lösung des Schuldenproblems hat es in den letzten Jahren genügend gegeben. Der Autor zeigt, daß die Hemmnisse nicht in mangelndem Ideenreichtum, sondern vielmehr in der Konstellation ökonomisch-politischer Interessen liegen. Schui schlägt die Halbierung der Schulden vor und kalkuliert dazu eine genaue Lastenverteilung. Eindrucksvolle Zahlen, Hintergrundinformationen und Zusammenhänge machen das Buch zu einem wertvollen Beitrag zur Schuldenproblematik.

Schui, Herbert: Die Schuldenfalle. Schuldenkrise und Dritte-Welt-Politik der USA. Köln: Pahl-Rugenstein, 1988. 1825. DM 14,80/sfr 12,50/öS 115,40