Der Euro wird in zumindest acht EU-Ländern pünktlich am 1.1.1999 eingeführt. Folgt man dem Autor, der in verschiedenen deutschen Ministerien Leitungsfunktionen im Bereich der Geldpolitik bekleidete, soll das im Großen und Ganzen auch gut für Europa sein. Die Chancen, die der Euro bietet, überwiegen die Risiken, aber: "Die Erwartungen sollten nicht zu hoch sein." (S. 283) Nach der Vermittlung von Grundlagen der Geld- und Währungspolitik sowie der Wirtschaftsintegration folgt ein Abschnitt über die Geschichte der europäischen Integration. Zwei weitere Abschnitte sind dem Vertrag von Maastricht und den darin festgeschriebenen Konvergenzkriterien gewidmet. Darauf aufbauend werden folgende Kernfragen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) ausführlich behandelt: 1) Welche Probleme wirft eine einheitliche Währung auf? Probleme können sich während der Umstellungsphase ergeben (z.B. die Reaktionen der Finanzmärkte). vor allem aber danach bei der Durchführung einer gemeinsamen Geld- und Währungspolitik in der EWWU. Je unterschiedlicher die wirtschaftliche Entwicklung in den einzelnen Mitgliedsstaaten verläuft, desto schärfer werden die unterschiedlichen nationalen ”Stabilititätskulturen" aufeinandertreffen. 2) Ist eine Währungsunion ohne politische Union überhaupt denkbar? Diese Frage wird bejaht, "solange eine einheitliche Währung aus sich selbst heraus gerechtfertigt werden kann und keine größeren Risiken für die Preisstabilität und die wirtschaftliche Entwicklung aufwirft" (S.199). 3) Wie wird sich der Euro auf den internationalen Finanzmärkten behaupten und welche Auswirkungen sind auf den Außenhandel der EWWU-Länder zu erwarten? Das Wechselkurs- und Inflationsrisiko werde geringer, und vor allem jene Länder würden als Wirtschaftsstandort (noch) attraktiver, die niedrige Lohnstückkosten aufweisen. 4) Welche Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum und Beschäftigung sind zu erwarten? Hier heißt das Zauberwort ”Lohndifferenzierung", um die regionalen Unterschiede in der Beschäftigungslage nicht größer werden zu lassen. Zudem würde man der EWWU "einen Bärendienst erweisen, sähe man sie als Vereinigung zur Verteidigung bequemer europäischer Verhältnisse gegen den Rest der Welt (S. 243). 5) Welche Möglichkeiten verbleiben der EWWU für die nationale Finanzpolitik? Für „Ausgabensünder" - Länder mit hohem Budgetdefizit gebe es nur zwei Sanktionen: Erstens müssen Schulden in wertstabilem Geld verzinst und zurückbezahlt werden. und dabei können sie nicht auf die Hilfe der EWWU hoffen. Zweitens könne ein zahlungssäumiger Partner von finanziellen Hilfen aus dem EU-Haushalt ausgeschlossen werden. Die im ”Stabilitätspakt" vorgesehenen Sanktionsmechanismen dürften dagegen kaum greifen. In verständlicher Sprache wird differenziert argumentiert. Der Verlagsprospekt verspricht daß nicht jeder Leser über alle Schlußfolgerungen begeistert sein wird. Dieses Versprechen wird eingelöst. W. Sch.

Sarrazin, Thilo: Der Euro. Chance oder Abenteuer? Bonn: Dietz, 1997. 288 S. (Politik im Taschenbuch; 18) DM/sFr24,80/öS 181