Die vom Herausgeber angebotene Systematisierung der elf Beiträge in Texte zur Technikbewertung, zum Verhältnis von Technik und Literatur, zur Technikgeschichte sowie zur Technikphilosophie sollte nur als grobe Orientierungshilfe angesehen werden. Nur widerstrebend erfüllen nämlich die hier präsentierten Arbeiten die damit verknüpften Erwartungen. Was stattdessen in bestem Sinn geleistet wird, ist intellektuelle Annäherung an ein in seiner Komplexität kaum einzugrenzendes interdisziplinäres Thema. So lotet etwa der einleitende Beitrag von Michel Serres Gemeinsamkeiten zwischen dem Baalskult und der Challenger-Katastrophe aus, insofern als es dem Menschen zum Zweck des kollektiv-mythischen wie technisch wissenschaftlichen Fortschritts unverzichtbar scheint, Opfer - nicht nur - der eigenen Art zu bringen. B. Dotzler weist in seinem, den Band beschließenden Beitrag darauf hin, dass sich die Menschheit infolge der nicht auszuschließenden Verselbständigung der Kommunikationstechnologien selbst ihrer Zukunft berauben könnte und derart "kein Grund mehr zur Sorge besteht", was zwar Sarkasmus der düsteren Art, aber bedenkswerte Möglichkeit zugleich ist. Aufgrund des durchwegs hohen Abstraktionsgrades und der analytischen Dichte muss es genügen, einige Hinweise zu geben: Literatur- und Philosophiegeschichtliches findet sich in einem Spektrum von Nietzsche über Carl Schmitt bis Thomas Bernhard; Kommunikations- und Technikgeschichtliches bieten überraschende Einsichten über Briefkästen als Wegbereiter der Denunziation und das Telefon als "wandelndes Switchboard". Über ein frühes Beispiel medizinischer Technologie unterrichtet W. Pircher im Zusammenhang mit A. Messmers Lehre vom "tierischen Magnetismus". Zukunftsbezogener hingegen ist ein Beitrag des französischen Philosophen Paul Virilio, der unter dem Titel" Polare Trägheit" mit Bezug auf Husserl sehr eindrucksvoll zeigt, dass wir in permanenter Steigerung der Geschwindigkeit das "frühzeitige Altern der Welt konstatieren", indem wir "das Lebendige zugunsten der Leere des Tempos hinter uns lassen". Ein in der Zusammenstellung ungewöhnlicher, im Grad der Reflexion sehr anspruchsvoller Band, der die Erwartungen des Titels wohl nicht, oder zumindest auf ungewöhnliche Weise erfüllt, für Querdenker aber manche Überraschung bereithält. Walter Spielmann 

Technopathologien. Hrsg. v. Bernhard J. Dotzler. München: W Fink, 1992.295 S. (Materialität der Zeichen; Reihe A, Bd.7) DM 68,- / sFr 57,60 / ÖS 530,40