Kann die "Triade" - es sind dies die Wirtschaftsblöcke des pazifisch-asiatischen Raums unter der Führung Japans, die NAFTA und die EU - dafür Sorge tragen, daß in etwa 25 Jahren 8 Mia. Menschen auf dieser Erde angemessen werden leben können? Welche Herausforderungen ergeben sich daraus für die globale Kooperation von Wissenschaft und Technik (S&T), und welche Rolle wird Europa dabei spielen?  Dies waren zentrale Fragen der Konferenz EUROPROSPECTIVE 111, die, maßgeblich initiiert von Peter Mettler, vom 3.-5. Juni 1993 in Wiesbaden abgehalten wurde und mit diesem Band der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.

Er enthält - von einer Reihe editorischer Mängel einmal abgesehen Beachtenswertes: Das Kernstück bildet das aus 35 Einzelvorschlägen erstellte Dokument der FASTKommission" Living Together", das im wesentlichen acht prozeßorientierte, variable Zielvorgaben für eine (europäische) S&T-Politik enthält. Unter anderem wird die Einrichtung eines Weltforums für S&T empfohlen und verstärkte Bemühungen im 3-T-Bereich (Transport, Telekommunikation, Tourismus), der Angewandten Kommunikation, der regenerativen Energieentwicklung und der Reform der Finanz- und Wirtschaftsstrukturen angeregt.

Kritisch werden zudem Anwendungsbereiche von S& T benannt und verschiedene Szenarien für Europa diskutiert. Im Hinblick auf sieben Kriterien (u. a. Entscheidungsfindung, Stabilität, militärische Macht und Wirtschaft) ergeben die drei Varianten "Weiter wie bisher" "Festung Europa" - "Mitverantwortung in der Welt" jeweils interessante Richtwerte. Europa werde, so Peter Mettier, nur dann eine aktive Rolle in der Welt spielen, wenn es gelingt, eine auf einer gemeinsamen Vision gründende Identität zu entwickeln. Vier weitere Studien (kanadischer, indischer, japanischer und US-amerikanischer Provenienz) sollten den rund 150 Konferenzteilnehmern aus rund 30 Nationen Möglichkeiten des Vergleichs und der ergänzenden Diskussion bieten: Von grundlegend unterschiedlichen Haltungen geprägt - realistisch bis skeptisch die beiden erstgenannten, technikgläubig optimistisch die beiden anderen - wollte der vergleichende Austausch jedoch nur bedingt gelingen (was freilich den Wert der Beiträge nicht schmälert).

Zusammengenommen wirft dieser Band weit mehr kritische und tiefgehende Fragen auf als er Antworten gibt.

W Sp.

Science and Technology for Eight Billion People. Europe 's Responsibility.

Ed. by Peter H. Mettler. London: New European Publications Ud. (e. e.), 1995. 333S.