Das Ende des Kalten Krieges Ende der 80er Jahre brachte wider Erwarten kein rasches Ende kriegerischer Auseinandersetzungen. Im Gegenteil: Kriege rückten via Medien (Golfkrieg) bzw. durch geographische Nähe (Ex-Jugoslawien) wie kaum zuvor in den Blickpunkt europäischer Öffentlichkeit. Statt die Gunst der Stunde zu nutzen und in friedliche Mittel der Konfliktlösung zu investieren, kam es zu einer Relegitimierung militärischer Interventionen auf breitester Ebene, begründet mit humanitären Argumenten zum Schutz von Menschenrechten, nicht selten jedoch vor dem Hintergrund von Wirtschaftsinteressen und hegemonialen Ansprüchen. Auf der anderen Seite entwickelte sich - von einer breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen - eine Fülle von gewaltfreien, zivilen Formen der Konfliktbearbeitung auf allen Ebenen. Regierungen, internationale Organisationen, politische und wirtschaftliche Verbände, mit zunehmendem Gewicht aber auch viele Nichtregierungsorganisationen bedienen sich heute dieser "soft power", wie sie Uli Jäger nennt. In seinem gleichnamigen Lehr- und Arbeitsbuch unternimmt der Tübinger Friedenspädagoge den Versuch, eine aktuelle Bestandsaufnahme der verschiedenen Ausformungen, Konzeptionen und Kontroversen ziviler Konfliktbearbeitung unter didaktischen Gesichtspunkten aufzubereiten. Konkrete Modelle von Friedensmissionen und -diensten in Ex-Jugoslawien, Türkisch Kurdistan oder Südafrika, Verhandlungen und Vermittlung zwischen Konfliktparteien in Israel und Palästina, Sanktionen und Boykotte am Beispiel des Iraks und Rest-Jugoslawiens sowie humanitäre Interventionen in Ruanda werden mit Vorschlägen und Methoden handlungsorientierter Vertiefung für den Einsatz in Schule und Erwachsenenbildung kombiniert. Anstatt eines Plädoyers für diese "sanfte Macht" der Konfliktbearbeitung bietet Jäger differenzierte Formen der lebendigen Kontroverse an, die in der alltäglichen Bildungsarbeit allemal unverzichtbar sind. HP. G.

Jäger, Uli: soft-power. Wege ziviler Konfliktbearbeitung. Ein Lern- und Arbeitsbuch für die Bildungsarbeit und den handlungsorientierten Unterricht. Tübingen: Verein für Friedenspädagogik, 1996. 272 S.