„Alt werden ist natürlich kein reines Vergnügen. Aber denken wir an die einzige Alternative.“ (Robert Lembke)

 

 

 

Die Generation 50plus oder „Best Ager“, wie sie auch gerne genannt werden, gewinnt in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Belangen an Bedeutung. In weniger als 25 Jahren werden laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes in Deutschland mehr als 50 Prozent der Bevölkerung älter als 50 Jahre sein. Weitere Zahlen belegen eindrucksvoll, dass die „Silberne Revolution“ unaufhaltsam voranschreitet. Im Jahr 2030 wird der Anteil der über 60-Jährigen bereits 36,7 Mio., der unter 20-Jährigen nur mehr 16,4 und die der zwischen 20 und 60-Jährigen 46,9 Millionen betragen.

 

Aber keine Sorge: Die düsterenSzenarien der Demografen weichen immer öfter der Zeichnung eines positiven Bildes. So auch in der neuen Studien des Zukunftsinstituts von Matthias Horx. „Die Alterung der Gesellschaft wird keineswegs in einer Katastrophe enden.“ Wenn der demographische Wandel eingeplant wird, muss auch nicht mit einem „Aufstand der Alten“ gerechnet werden. Vorsorglich hat nämlich die deutsche Bundesregierung soeben eine höchst umstrittene Rentenerhöhung durchgesetzt. Und das aus gutem Grund: Im nächsten Jahr werden erstmals mehr Menschen über 50 bei der Bundestagswahl abstimmen als jüngere. Das heißt, 20 Millionen deutsche Rentner werden 2009 die Wahl entscheiden. Die Best Ager werden aber nicht nur politisch an Einfluss gewinnen, sondern auch ökonomisch. Sie erwarten Produkte, die konkreten Nutzen für ihre spezifische Lebenssituation bieten. Die „jungen Alten“ sind anspruchsvoll, konsumfreudig, genussorientiert und haben meist auch die nötigen Mittel - sie sind ein Marktfaktor!.

 

Das Arbeitsleben wird bisher noch zu oft an herkömmlichen, zunehmend obsoleten Strukturen ausgerichtet, daher leiden wir an einer oft unproduktiven Verdichtung und Beschleunigung, die Druck auf den Organismus ausüben. Die Folge ist, immer mehr Menschen „mit 55 Jahren halbtot frühverrentet werden müssen und mit 70 ein Pflegefall werden, bevor sie mit 80 sterben“ (S. 35).Die silberne Revolution und der damit in Zusammenhang stehende Megatrend Gesundheit haben entsprechende Auswirkungen auf Märkte und Branchen.

 

Ein neues Altersverständnis, ein neues Verständnis von Arbeit und eine neue Alterungskultur sorgen dafür, dass Gesundheit zur Schlüsselressource für ein möglichst langes, erfülltes und produktives Leben wird. „Ausufernde Kosten des heutigen ‚Krankheitsreparatursystems’ und der Pflegebedürftigkeit lassen sich dort vermeiden, wo sie den Konsequenzen eines ungesunden Lebensstils geschuldet sind.“ (S. 11) Ein neues präventives Gesundheitssystem werde, so eine zentrale These dieser Studie, dazu beitragen, dass die Alten von morgen gesünder sein werden. Die Zukunft der Gesundheitsmärkte setze beim Lebensstil als entscheidendem Faktor an. Nicht nur Eigenverantworung, sondern auch Gesetze, wie etwa zum Schutz der Nichtraucher, würden in diese Richtung weisen.

 

Vor dem Hintergrund dieses Trends wird sich auch die Arbeitswelt grundlegend verändern. „Die Zukunft ist nicht mehr der Standardmitarbeiter mit der Standardleistungsfähigkeit, sondern Teams, die die individuellen Stärken von Einzelpersonen nutzen und zusammenführen.“ In der Wissensgesellschaft hängen hervorragende Leistungen davon ab, wie gut es gelingt, die unterschiedlichen Fähigkeiten, Perspektiven und Erfahrungen von Mitarbeitern zu nutzen und zu verbinden. Firmen wie Ikea stellen bereits ältere VerkäuferInnen ein, um die wachsende Käuferschicht der Best Ager besser beraten zu können. Immer mehr Unternehmen zählen auf Berater mit Lebenserfahrung. „Erfahrung Deutschland“ ist bundesweit die erste Online-Vermittlung für Fachkräfte im Ruhestand. Hier klingt bereits ein weiterer Trend an: Wir kennen bereits das Schlagwort „silver surfer“ für die steigende Internet-Nutzung der Generation 50plus. Laut ARD/ZDF-Onlinestudie 2007 nutzt in Deutschland bereits jede/r Vierte im Alter von 60 Jahren oder mehr das Internet. Was Facebook oder StudiVZ für Menschen unter 35 ist, ist Platinnetz für Best Ager (www.platinnetz.de). Weiters stellen die Autoren fest, dass die aätere Generation immer bewegungsfreudiger wird, was sich auf Freizeit- und Urlaubsverhalten entsprechend auswirkt.

 

Was hier in rosa Farben ausgebreitet und mit zahlreichen Grafiken treffend ist Bild gerückt wird, dürfte so in der Realität nicht eintreffen, zumal eine grundlegende Änderung unsers Konsumverhaltens und Lebensstils vorauszusetzen wäre.

 

Hier wird von den Autoren eine ebenso simple wie effiziente, aber wohl zu einfache Lösung angeboten: „Nur xy ein? wenig mehr moderate, tägliche Bewegung könnte den kommenden Druck auf Renten- und Krankenkassen stark mildern.“ (S. 8f.) damit werden wir – individuell, kollektiv und wohl auch ökonomisch – wohl nicht das Auslangen finden. A. A.

 

Händeler, Erik; Rauch, Christian: Silberne Revolution. Gesundheit, Arbeit, Märkte in der Alterskultur. Kelkheim: Zukunftstitut, 2008. 92 S., € 170,- (Bestellung: www.zukunftsinstitut.de) ISBN 978-3-938284-38-4