Die BR Deutschland verfügt derzeit über eine Stromkapazität von 26 Mio. Kilowatt/Jahr. Selbst nach Abschalten aller Atomkraftwerke würde laut Spitzley immer noch eine Reservekapazität von 10 Gigawatt bestehen. Und trotzdem scheint hierzulande, entgegen vieler Gutachten, die einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie ohne Versorgungseinschränkungen für möglich halten, eine andere Energiepolitik nicht realisierbar. Einer qualitativ neuen, auf Energieeinsparungen, rationeller Energienutzung und auf Erschließung regenerativer Energiequellen gerichteten Energiepolitik will dieses Buch zum Durchbruch verhelfen. Am Beispiel Kalifornien wird gezeigt, daß es sehr wohl möglich ist, im Zusammenspiel von Bürgern und Regierenden auf Atomkraftwerke zu verzichten und durch Sparmaßnahmen und Förderung regenerativer Energiequellen eine Neuorientierung zu verwirklichen. Die Änderung der Geschäftspolitik der Energieversorgungsunternehmen (EVU) erfolgte durch veränderte energiewirtschaftliche Prämissen durch öffentlichen Druck und durch staatliche Gesetzgebung. Wachgerüttelt durch den Ölschock griff die Zentralregierung durch Verabschiedung des National Energy Act" (NEA) 1978 in die Debatte ein. Ziel der Gesetze war es, ”Energieeinsparungen und den rationellen Einsatz von inländischen Energiequellen zu fördern Die Folge dieser gesetzlichen Maßnahmen und der entsprechenden Programme des größten EVU in Kalifornien, der Pacific Gas and Electric Company (PG&E), ist die Tatsache, daß bis zum Jahr 1990 die Kapazität von etwa sechs Atomkraftwerken eingespart werden kann. Laut CEC (California Energy Commission) stammen heute 10 % der kalifornischen Stromversorgung von regenerativen Energiequellen (Sonne, Wind, Erdwärme, Biomasse und Kraft-Wärme-Kopplung). "Im Jahre 1996 erwarten wir, daß regenerative Energiequellen 25 0/0 unseres Elektrizitätsbedarfs decken werden. Dem von Spitzley beschriebenen ”kalifornischen Weg" stehen in der BR Deutschland mächtige Interessen entgegen - v. a. das Energiewirtschaftsgesetz von 1938, verschiedene Atomgesetze und die großen überregionalen Verbundunternehmen. Daß aber bei entsprechendem politischen Willen trotz aller Hindernisse der Übergang zu einer sanfteren Energiepolitik möglich ist, wird hier verdeutlicht. Der öffentliche Auftrag der EVU kann nicht länger darin bestehen, immer größere Mengen von Atomstrom zu produzieren. Nach dem Vorbild der PG&E müssen sie sich zu modernen Energiedienstleistungsunternehmen wandeln.  Wie in einem der reichsten Bundesstaaten der USA nachhaltige umweltpolitische Kurskorrekturen vorgenommen werden, zeigt auch die Tatsache, daß es den Autos an den Kragen gehen soll. Es gilt bereits als sicher, daß man Vorschriften zur Einschränkung des Autoverkehrs erlassen wird". Demnach soll es ab 2007 kein Benzin mehr für Automotoren geben. Vgl., dazu "Ein drastischer Plan für saubere Luft. Kalifornien leidet unter den Abgasen." In: VDI Nachrichten. 1989, Nr. 19, S. 3S. 

Spitzley, Helmut: Die andere Energiezukunft. Sanfte Energienutzung statt Atomwirtschaft und Klimakatastrophe. Stuttgart: Bonn Aktuell, 1989. 134 S. (Themen der Zeit)