Grawe versucht, einen Gesamtüberblick über die neuen Energietechniken zu geben. In verständlicher Sprache - soweit dies bei der Beschreibung von technischen Abläufen möglich ist - werden folgende neuen/alten Techniken der Energiegewinnung behandelt: Sonnenenergie, Erdwärme, Biomasse, Wirbelschichtfeuerung (Kohle), Kernfusion und Atomenergie. Bei der Bewertung der sogenannten erneuerbaren Energiequellen hat der Autor Vorbehalte. »Die Stromerzeugung mit Sonnenenergie in großem Maßstab scheidet für Mitteleuropa auch in Zukunft voraussichtlich aus.« Bezüglich der Kernfusion gibt er sich optimistischer: »Zu den großen Hoffnungen der Energieforschung zählt die kontrollierte Verschmelzung leichter Atomkerne in Reaktoren.« Voraussetzung für die Energiegewinnung aus Wasserstoff (unter Einsatz der ElektroIyse) ist für ihn aus ökonomischen Gründen die Verwendung von Wasser- und Atomkraft zur Lieferung des benötigten Stromes. Detailliert geht Grawe im Kapitel »Zur Bewertung der Kernenergie« auf die zentrale Frage der Rückstände aus Entschwefelungs- und Entstickungsanlagen der Kohlekraftwerke ein. Es werden beachtliche Vorteile der »Kernenergie« beschworen und den Atomenergiegegnern eine verengte Sicht vorgeworfen wird. Die im Vorwort als unvoreingenommene Vermittlung von Fachkenntnis angekündigte Darstellung, entpuppt sich bald als Plädoyer für Kernfusion, Schnellen Brüter, Hochtemperaturreaktoren und nukleare Fernenergie. Aus diesem Blickwinkel sind die einzelnen Ausführungen über die Erschließung neuer Energiequellen, die Umwandlung von Kohle und Atomenergie in elektrischen Strom und die diskutierten Mischformen zu sehen. Pseudoobjektivität entlarvt sich selbst: Trotz unzähliger Reaktorunfälle wird der Mensch als einziger Risikofaktor der Atomspaltung angesehen. Angesichts der Vielzahl ernstzunehmender Analysen (Vgl. dazu PZ 1/87 u. 2/87) bescheinigt sich Grawe selbst einen den anderen vorgeworfenen verengten Blickwinkel.

Grawe, Joachim: Neue Techniken der Energiegewinnung. Stuttgart: Bonn Aktuell, 1987. 182 S.