Editorial 1/1989

Fast unmerklich haben sich im Laufe des letzten Vierteljahrhunderts die Einflussreichen Zukunftskonzepte gewandelt. Sie sind weniger zentralistisch und hierarchisch orientiert als bisher und rechnen stärker als zuvor mit der aktiven Mitarbeit aller an ihrem Schicksal Interessierten. Erst in den immer zahlreicheren Selbsthilfegruppen, Bürgerinitiativen und Zukunftswerkstätten werden die Versprechungen der Demokratie nach und nach Wirklichkeit. Führung durch Repräsentanten, Experten oder gar Ideologen begegnet gesundem Misstrauen. Viele möchten an Entwurf, Planung, Verwaltung und Gestaltung teilnehmen, selbst wenn das Opfer an Zeit und Energie kostet. Wir beobachten diesen Willen zu einer stärkeren Mitwirkung der Betroffenen in vielen Lebensbereichen aufmerksam, stellen allerdings fest, dass Laien trotz großer Anfangsbegeisterung nur selten den langen Atem derer haben, die beruflich mit der Gestaltung des Kommenden beschäftigt sind. Wieviel Freiwilligkeit darf man von unbezahlten Mitarbeitern verlangen? Wie kann vorschnelle Resignation überwunden werden? Wie erreicht man, dass die Aktivisten nicht in die Passivität zurückfallen? Das sind herausfordernde Probleme, die nicht übergangen, sondern sehr ernstgenommen werden müssen. Dazu können Erfahrungsberichte, wie sie in einigen der in dieser Ausgabe besprochenen Bücher aufgezeichnet wurden, sicherlich beitragen.