Die Psychiatrie aus der ihr zufallenden Rolle des" Reparaturbetriebs unseres Zeit-Ungeistes" zu befreien und" in die Gesellschaft hinein" zu öffnen, ist Ziel des Ansatzes der "Ökologischen Psychiatrie". (Psychische) Krankheit wie Gesundheit werden nicht am Individuum und seinem persönlichen Entwicklungsgang (allein) festgemacht, sondern in ihr kulturelles und zivilisatorisches Umfeld eingebettet oder - wie Klaus Dörner, einer der Begründer dieser Denkschule sagt als mehr oder weniger gelingender Anpassungs- bzw. Selbstorganisationsprozeß des Individuums in seiner "Landschaft" betrachtet. Das Zusammenbrechen traditioneller Orientierungen, die Zunahme der Wahlmöglichkeiten, aber auch der Wahlzwänge, die Überbetonung der Individualität, der das Moment des Aufeinander-Angewiesenseins abhandenkommt, die gesteigerte Abhängigkeit von ökonomischer Leistungsfähigkeit, tendenziellen Ausgrenzung der Leistungsschwächeren - diese und andere Attribute der Moderne bilden den Hintergrund der Beiträge dieses Bandes. Psychische Reaktionsmuster zur Verarbeitung bzw. Verdrängung ökologischer Gefahren und streßbedingte psychosomatische Erkrankungen werden ebenso thematisiert wie der Umgang von Kulturen mit   Alkohol(ismus) und Süchten sowie dem Phänomen Selbstmord. Aber auch biokybernetische Erklärungsversuche für psychische Krankheiten, die Möglichkeiten und Grenzen von Psychopharmaka sowie neue Wege des Helfens und Heilens werden erörtert. H. H.

Psychiatrie und Zivilisation. Ein Handbuch zu psychoökologischen Aspekten des technischen, kulturellen und medizinischen Fortschritts. Hrsg. v. Burghard Andressen ... Köln: Ed. Humanistische Psychologie, 1993.427S., DM 48,- / sFr 40,- / öS 375